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Jüchen
Spargelsaison startet schleppend

Jüchen: Spargelsaison startet schleppend
Autorin Lisa Kreuzmann beim Spargelstechen. Das muss gelernt sein: Wird der Spargel verletzt, schmeckt er holzig; bricht er ab, fällt der Preis. FOTO: lBer
Jüchen. Bei Spargelbauer Jochen Roelen kaufen Spargelliebhaber von Neuss bis Mönchengladbach. Der Boden mache den Unterschied. Momentan ist es dem Spargel aber noch zu kalt. Von Lisa Kreuzmann

Warum am Ende des Tages gerade der dicke Spargel übrig bleibt, ist eines der Rätsel, das Spargelbauer Jochen Roelen noch nicht gelöst hat. Der schmecke nämlich mindestens genauso gut wie der dünne. Ansonsten ist der 38-jährige Gubberather in die Tiefen des Stängelgemüses eingedrungen. Seit 14 Jahren betreibt der Landwirt auch zwei Spargelfelder. Dafür erntete er zunächst nur ungläubiges Kopfschütteln: Der Gierather Boden sei zu fest für die zarten Spargelpflänzchen, die sonst vornehmend in sandigem Boden sprießen. Aber Jochen Roelen experimentiert gerne. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Neben seinem gut besuchten Hofladen vertreibt er den Spargel auch über Gastronomien wie das Brauhaus in Grevenbroich. Wenn da nicht das Wetter wäre.

Damit der Spargel in die Höhe schießen kann, muss der Boden eine Temperatur von 12 bis 15 Grad Celsius haben, sagt Spargelbauer Roelen. Bei einem derzeitigen nass-kaltem Aprilwetter wird Bauer Roelen in den nächsten Tagen niedrigere Handelsklassen ernten: "Hohlspargel" - durch die Temperatursprünge wächst der Spargel unterschiedlich schnell, wird etwa unten dick, oben dünn und innen hohl.

Auf seinen Feldern ist es momentan daher noch etwas einsam. Erst ein Saisonarbeiter ist aus Polen angereist, um auch in diesem Jahr die Möglichkeit zu nutzen, sich in Deutschland beim Spargelstechen ein lukratives Zubrot zu verdienen. Seit vergangenem Jahr gilt auch beim Spargelstechen der Mindestlohn von acht Euro brutto. Davor waren es zwei Euro weniger. Für die Spargelbauern bedeutet das, Abstriche machen zu müssen. Seinen Spargel verkauft der Gubberather nun 50 Cent teurer das Kilo, aber das reiche nicht: "Ich musste viele Verkaufsstände schließen", erzählt der 38-Jährige.

Bauer Roelen baut sechs Sorten Spargel an. Bei gutem Wetter wächst eine Stange bis zu sechs Zentimeter am Tag. FOTO: Berns, Lothar (lber)

Erst wenn das Wetter besser wird, möchte er auch vier weitere Männer aus der Nähe von Krakau nach Gubberath einladen. Die Gruppe sei ein eingespieltes Team, sagt Roelen, und komme seit vielen Jahren auf den Hof. "Sie sind Teil der Familie geworden", erzählt der Landwirt, haben zeitweise sogar mit der vierköpfigen Familie Roelen unter einem Dach gelebt. Dann wurde für die Männer eine eigene Wohnung auf dem Hof eingerichtet. Die Stimmung sei gut. Mit den jungen Männern zwischen 20 und 35 Jahren habe er schon das eine oder andere Feierabendbier auf dem Hof getrunken. "Ich vertraue meinen Mitarbeitern. Sie wollen arbeiten und das merkt man", sagt Roelen.

Den mehr als 100 Jahre alten Familienbetrieb hat der Landwirt von seinem Vater Reinhard Roelen übernommen. Nur die Viehzucht wollte er nicht weiterführen. Mit dem Anbau von Spargel, Erdbeeren, Tulpen und Kürbissen hat er den Hof in eine neue Zeit geführt. Bei Facebook informiert der junge Landwirt seine Kunden regelmäßig per Foto über den aktuellen Stand der Ernte. "Kann es kaum abwarten", schreibt dort eine Kundin.

Des Spargelbauern ganzer Stolz: die Schälmaschine im Hofladen. FOTO: Berns, Lothar (lber)
Quelle: NGZ
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