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Jüchen
St. Martinus will bauen, um zu sparen

Jüchen: St. Martinus will bauen, um zu sparen
Dieses Grundstück würde die St. Martinus-Pfarrei gerne verkaufen und bebauen lassen, um aus dem Erlös ein neues Jugendhaus zu finanzieren. Es gibt aber nur straßenbegleitendes Baurecht, keines für die Tiefenbebauung. FOTO: Lothar Berns
Jüchen. Die Sparzwänge des Kirchlichen Immobilien Managements (KIM) machen sich in Gierath schon bemerkbar. Die Kirche will nun mehr denn je ihr Grundstück am alten Jugendheim vermarkten, um einen neuen Treffpunkt zu bauen. Von Gundhild Tillmanns

Die Katholiken in Jüchen müssen 86.000 Euro sparen: Das ist, kurz gefasst, das Ergebnis, zu dem das Kirchliche Immobilien Management (KIM) gelangt ist. Durch diese Ansage gewinnt nun ein Problem der St. Martinus-Pfarre Gierath an neuer Brisanz: das in die Jahre gekommene Pfarrjugendheim, das hohe Instandhaltungskosten verursacht. Das alte Jugendheim will der Kirchenvorstand nämlich seit längerer Zeit aufgeben, um mit dem Verkaufserlös aus dem benachbarten Wiesengrund mit einem Anbau an das bestehende Pfarrhaus in Kirchennähe ein neues Jugendheim zu schaffen.

"Aber wir sind da in einer Sackgasse", gibt Pfarrer Ulrich Clancett zu. Und Kirchenvorstandsmitglied Josef Figalist beklagt: "Schon vor Jahren haben wir mit Blick auf die steigenden Instandhaltungskosten des Pfarrjugendheimes den Bau eines neuen, dem heutigen Stand der Technik entsprechenden. Hauses geplant. Leider hat die Gemeindeverwaltung Jüchen den erforderlichen Maßnahmen nicht zugestimmt."

Da die Förderung für die Instandhaltung durch das Bistum jetzt entfalle und von der Pfarrgemeinde getragen werden müsse, sei es absehbar, wann die steigenden Kosten nicht mehr tragbar würden. Figalist sagt, er hoffe, dass die Gemeinde Jüchen die Entscheidung überdenke, denn gerade bei der jetzigen Zinslage könne der Kirchenvorstand den Neubau zum Wohle der jungen und alten Bürger in Gierath durchführen. "In Gierath gibt es schließlich nichts, das neue Jugendheim wäre auch ein Treffpunkt für alle Gierather", sagt Figalist.

Der auch für Gierath zuständige Pfarrer und Regionaldekan Ulrich Clancett pflichtet Figalist bei: Das viel zu groß dimensionierte alte Jugendheim sei für die Gemeinde eigentlich nicht nutzbar, da es viel zu weit von der Kirche weg sei. Die Idee, das Jugendheim abzustoßen, sei deshalb schon vor Jahren aufgekommen. Nun, wo man sparen müsse, sei das Thema besonders akut: "So merkwürdig es klingt, Aber, wenn man sparen will, muss man zuerst Geld ausgeben", sagt Clancett und spricht den geplanten Anbau an das bestehende Pfarrhaus an. Dort seien zwar zur Zeit Flüchtlingsfamilien untergebracht, die sich aber irgendwann auf dem freien Wohnungsmarkt integrieren sollten.

Die Pfarrgemeinde habe mehrfach versucht, für ihr Wiesengrundstück neben dem alten Jugendheim die Baugenehmigung zu bekommen, um es als Bauland verkaufen zu können. "Da gab es aber schwere Bedenken des Rates", erinnert sich Clancett. Der Kirchenvorstand habe daraufhin seine Pläne zwar zunächst einmal zurückgestellt, müsse sie nun aber aufgrund der Notwendigkeit zu sparen, wieder weiterverfolgen, verdeutlicht Clancett.

Das Wiesengrundstück der Kirche ist laut Figalist etwa 5000 Quadratmeter groß. Da könne man schon etliche Häuser drauf bauen, meint er. Auf der anderen Seite habe das alte Jugendheim alleine im vergangenen Jahr 18.000 Euro an Instandhaltungskosten verursacht. Und nun müsse bald auch noch das Dach erneuert werden, höchste Zeit, den "Kostenfresser" loszuwerden, meinen Figalist und Clancett. Angrenzend an die Wiese soll es von Gartenbesitzern Widerstand gegen die Pläne der Pfarrei gegeben haben, weil sich die Laubenpieper den freien Ausblick in die Natur nicht verbauen lassen wollten.

Bürgermeister Harald Zillikens kennt die Problematik in Gierath und sagt: "Straßenbegleitend darf die besagte Wiese durchaus bebaut werden, aber eben nicht in die Tiefe. Dafür müsste der Flächennutzungsplan geändert werden." Das sei aber keine Angelegenheit der Gemeindeverwaltung, wie Kirchenvorstandsmitglied Josef Figalist argumentiert habe. "Dafür muss es eine politische Mehrheit geben, die aber bisher nicht zustande gekommen ist," sagt der Gemeinde-Chef und rät der Kirche, "die am Ort zuständigen Politiker für ihr Vorhaben zu gewinnen."

Quelle: NGZ
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