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Jüchen
Tagebau-Kommunen bündeln Interessen

Jüchen: Tagebau-Kommunen bündeln Interessen
Ausgelöst durch den Tagebau entstehen für die angrenzenden Kommunen Probleme durch Staub, Lärm und Lichtimmissionen. Arbeitsgruppen sollen ausloten, was dagegen unternommen werden kann. FOTO: Peter Kerkhoff
Jüchen. Mit Gladbach, Erkelenz und Titz will sich Jüchen enger beim Thema Garzweiler II abstimmen. Das Quartett erhofft sich so mehr Erfolg für seine Anliegen beim Land und dem Tagebaubetreiber. Jetzt sollen Forderungen erarbeitet werden. Von Jan Wiefels

Die Städte sind sehr unterschiedlich, doch alle sind sie von dem Tagebau Garzweiler II betroffen. Um eine starke Stimme beim Land Nordrhein-Westfalen und dem Tagebaubetreiber RWE Power zu haben, haben sich Mönchengladbach, Erkelenz, Jüchen und Titz zusammengeschlossen. Gestern stellten Oberbürgermeister Norbert Bude und die Bürgermeister Peter Jansen, Harald Zillikens und Jürgen Frantzen die Kooperationspläne im Rathaus Abtei vor.

"Wir wollen besser wahrgenommen werden und unsere Interessen gemeinsam vortragen", sagte Norbert Bude. Bei den Planungen seien die Tagebaurandgemeinden außen vor gelassen worden und würden von dem Tagebau nicht wesentlich profitieren. Sie würden die Auswirkungen ertragen müssen, ohne einen entsprechenden Ausgleich zu erhalten, hieß es. Wie Norbert Bude sagte, soll jetzt gemeinsam definiert werden, nach welchen Prioritäten Themen angegangen werden. Im Laufe des Jahres sollen dann Forderungen stehen, die gegenüber dem Land und RWE deutlich gemacht werden sollen.

Die Auswirkungen, unter denen die angrenzenden Kommunen zu leiden haben, sind zum Teil bereits spürbar. Es geht um Staub, Lärmbelastung, Lichtimmissionen und sinkenden Grundwasserspiegel. Auf Mönchengladbacher Gebiet wird Wanlo die Folgen des Tagebaus am deutlichsten zu spüren bekommen. Dort werden durch das näher rückende Loch Verkehrsbeziehungen gekappt. Darunter drohe wiederum die Attraktivität des Stadtteils zu leiden, so Bude. Neben dem ohnehin fortschreitenden demografischen Wandel eine zusätzliche Herausforderung, die Wanlo mit Teilen von Erkelenz, Jüchen und Titz teilt.

In der Kooperation sollen auch Sachverhalte besprochen werden, die erst in Jahrzehnten zum Tragen kommen. Schließlich soll auf dem Tagebaugebiet eine große Seefläche entstehen. "Wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir mit einem solchen Seerand umgehen", sagte Erkelenz' Bürgermeister Peter Jansen.

Denn die Schaffung von Gewerbegebieten und der Tagebaurandstraße hätte auch Auswirkungen auf die Nachbarn Wanlo und Jüchen. Auch wenn der Seerand erst in den Jahren 2080 bis 2090 Wirklichkeit werden dürfte, müsse in den kommenden Jahren bereits die Planung vorangetrieben werden, so Peter Jansen.

Vor allem die kleineren Kommunen in der Kooperation, Jüchen und Titz, versprechen sich von dem Schritt mehr Gehör. "Wir als kleine Kommune Jüchen bekommen keine große Aufmerksamkeit. Mit der Zusammenarbeit können wir besser wahrgenommen werden", sagte Harald Zillekens und fand damit die Zustimmung von Jürgen Frantzen, Bürgermeister von Titz. Jüchens Bürgermeister will sich auch mit den Erfahrungen seiner Kommune in die Kooperation einbringen. "Der Tagebau beschäftigt uns bereits seit den 1950er-Jahren", sagte er.

Dass der Startschuss für die interkommunale Zusammenarbeit nicht bereits früher erfolgt ist, habe auch mit dem Verlauf der Arbeiten zu tun, sagte Harald Zillekens: "Heute sind wir alle ganz unmittelbar von den Auswirkungen des Tagebaus betroffen." Auch die Energiewende und die Diskussion darüber, ob der Tagebau wie geplant weitergeführt werde, habe dazu beigetragen, die Zusammenarbeit voranzutreiben. "Das einzige Beständige in der Region war in den vergangen 50 Jahren das Fortschreiten des Tagebaus. Das zeigt, welche Dimension das Thema in Wirtschaft und Politik hat", sagte Peter Jansen. Die Diskussion über das Thema Tagebau habe sich verändert und biete für die Kommunen eine Chance.

Norbert Bude machte deutlich, dass es bei der Kooperation nicht darum gehe, eine Klage gegen den Tagebau vorzubereiten. Doch seien juristische Schritte nicht ausgeschlossen. Stattdessen sollen zunächst Forderungen nach Hilfen formuliert werden. Für Mönchengladbach wolle er sich für eine Feinstaubmessanlage einsetzen, um Erkenntnisse über die Belastung zu gewinnen.

Quelle: NGZ
 
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