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Waat: Chemiker klagt gegen Entsorgung

Jüchen: Waat: Chemiker klagt gegen Entsorgung
Am 12. Mai hatte der Rhein-Kreis zwei Container in Waat öffnen lassen. Die gelagerten Chemikalien wurden in ein Zwischenlager gebracht. FOTO: Tinter, Anja
Jüchen. Der Rhein-Kreis will die Chemikalien aus zwei Containern in Waat entsorgen lassen. Eigentümer Joachim Beckers (53) wehrt sich. Von Daniela Buschkamp

Der Großeinsatz der Feuerwehr und der ABC-Alarm auf einem Containerplatz in Waat war "weit über das Ziel hinausgeschossen und nicht gerechtfertigt". Das sagt Joachim Beckers (53), Chemiker aus Mönchengladbach-Giesenkirchen, der Chemikalien in zwei Containern gelagert hatte. Er handelt nach eigenen Angaben mit Laborgeräten und Apothekenausstattung, erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Feuerwehr und den Rhein-Kreis Neuss. Zurzeit läuft ein Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf: Demnach will Beckers seine Waren, deren Wert er mit 250 000 Euro beziffert, wiederhaben: "Ich wurde enteignet. Ich komme nicht an mein Eigentum, das jederzeit entsorgt werden könnte."

Am 8. April war die Feuerwehr nach einem anonymen Hinweis mit einem Großaufgebot zu dem Containerlager in Waat ausgerückt. Aus einem Behälter sei laut Feuerwehr ein stechender Geruch gedrungen. Joachim Beckers, der die Container auf Anweisung der Feuerwehr geöffnet hatte, bestreitet dies: "Alle Gebinde waren intakt. Es hat nicht gestunken." Zudem hätte er "jederzeit vor Ort nachweisen können, was sich in den einzelnen Behältern befunden hat". Eine Gefahr hätte nach Beckers Einschätzung nicht bestanden. Gegen den 53-Jährigen läuft jetzt ein Verfahren wegen einer Umweltstraftat.

Karsten Mankowsky, Umweltdezernent des Rhein-Kreises, widerspricht dieser Darstellung vehement: "Die Behälter mit den Chemikalien hatten teilweise gesuppt. Wir mussten schnell reagieren im Interesse der Bevölkerung." Ein Gutachter sei von einem möglichen größeren Gefahrenpotenzial ausgegangen. Um chemische Reaktionen auszuschließen, hätte man schnell handeln müssen.

Der Rhein-Kreis Neuss als Bauaufsichtsbehörde hatte Joachim Beckers aufgefordert, sich um die Entsorgung zu kümmern. "Er hatte alle Fristen verstreichen lassen, bis dass wir zum 12. Mai eine Ersatzvornahme angeordnet haben", so Karsten Mankowsky. Die Anordnung der Ersatzvornahme sei vom Verwaltungsgericht bestätigt worden. Dabei wurden die Chemikalien in ein Zwischenlager der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) in Dormagen gebracht. "Herr Beckers hat uns gegenüber zu keiner Zeit eine fachgerechte Entsorgung nachweisen können", sagt der Kreisdezernent. Beckers muss die Kosten für Feuerwehreinsatz, Lagerung und Entsorgung tragen - der Umweltdezernent spricht von einem "höheren fünfstelligen Betrag". Das Vorgehen sei mit dem Rechtsamt des Rhein Kreises Neuss abgestimmt. "Wir würden das genauso wieder machen", betont Karsten Mankowsky.

Joachim Beckers betont, dass er die Substanzen durch eine Fachfirma übernehmen lassen wollte, einen Ablaufplan vorgelegt und eine mündliche Zusage erhalten hatte. Sein Rechtsanwalt Sven Staude ergänzt: "Uns ist bis heute nicht offiziell mitgeteilt worden, wo sich das Zwischenlager befindet." Staudes Ziel: "Wir wollen die Entsorgung stoppen. Sonst droht meinem Mandanten ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden." Joachim Beckers vermutet: "Der Rhein-Kreis Neuss hat kein Interesse an einer Herausgabe, er will die Chemikalien lieber entsorgen lassen."

Quelle: NGZ
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