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Jüchen
Wie Hunde den Büro-Alltag verändern

Jüchen. In vielen Großraumbüros sind Hunde tabu. Dabei ist laut Studien und Experten unbestritten, dass die bloße Anwesenheit Vorteile hat. Bei der Firma German Cryo gehören die Tiere deswegen mit an den Arbeitsplatz. Von Kilian Treß

In der Mittagspause toben, zwischendurch eine Streicheleinheit, hin und wieder mal ein Leckerchen. Der Arbeitsalltag bei German Cryo in Jüchen ist definitiv nicht langweilig. Weder für die beiden Büro-Hunde Barney (3) und Charly (5), noch für die Angestellten. "Es gibt immer was zu lachen, ohne die beiden Hunde wäre es doof", sagt Chefin Jutta Ohst.

Die Hunde sind ins Büroleben so integriert, dass sie selbst Bestandteil des Bewerbungsgesprächs sind. Charly hat sogar seinen eigenen Bürostuhl. "Wer bei uns arbeiten will, muss tierlieb sein", sagt Jutta Ohst. Doch nicht in jeder Firma haben Hunde ein so großes Standing. Zumindest in Großraumbüros sind sie Chefs oft ein Dorn im Auge.

Tochter Sandra Ohst lernte zuvor bei einer Bank in Düsseldorf, ehe sie ins Familienunternehmen kam. Der Hund musste damals zuhause bleiben. "Mir hat man gesagt, Tiere im Büro seien unseriös", sagt Sandra Ohst. Dasselbe Bild zeigt sich bei vielen großen Firmen. "Hunde sind bei uns nicht erwünscht", sagt eine Sprecherin von Polo, dem großen Motorradzubehörgeschäft mit Hauptsitz in Jüchen. Auch das Rathaus ist Sperrzone. Fast alle Mitarbeiter hätten regelmäßig Publikumskontakt und säßen mit weiteren Kollegen im Büro, erklärt Bürgermeister Harald Zillikens. "Mit Rücksicht auf die Besucher und auf die anderen Mitarbeiter ist es nicht vertretbar, wenn Hunde mit an den Arbeitsplatz gebracht werden", sagt er. Und auch in der Zweigstelle des US-amerikanischen Multimediakonzerns 3M bleiben Tiere außen vor. "Bei uns ist es nicht vorgesehen, dass Mitarbeiter ihre Hunde in die Firma mitbringen", sagt Unternehmenssprecher Stephan Rahn. "Sollte jedoch mal eine tierische Notlage" vorliegen, werden wir bestimmt gemeinsam eine Lösung für die Versorgung des Hundes finden."

Die Hundetherapeutin Jutta Durst aus Kaarst kann die Argumente gegen Hunde im Büro nur zum Teil nachvollziehen. Die Tiere könnten bei einigen Menschen Allergien auslösen oder anfangen zu bellen. "Ganz problematisch wird es, wenn zwei Mitarbeiter ihre Hunde mitbringen, die sich nicht verstehen. Das könnte zu Komplikationen führen", sagt Jutta Durst. Doch überwiegen ihrer Meinung nach die Vorteile. "Nach stressigen Situationen können Mitarbeiter mithilfe des Hundes kurz abschalten und entspannen", sagt Durst. Etwa durch streicheln oder beim Spaziergang in der Mittagspause. "Das wirkt beruhigend", meint sie. Zudem erleichtere ein Tier unter den Mitarbeitern den Kontakt aufzubauen, was das Arbeitsklima verbessere. Vor allem Allergikerhunde seien empfehlenswert fürs Büro.

Nach Angaben des "Bundesverbands Bürohund" (BVBH) könnten die Tiere sogar einen Burnout verhindern, weil ihre Anwesenheit stressmildernd sei. Das zeigen auch Reaktionen der Mitarbeiter von German Cryo. "Nach einem schwierigen Gespräch mit einem Kunden gehe ich zum Hund und streichele ihn", sagt Buchhalter Leon Raabe. "Nach fünf Minuten Ablenkung ist dann der ganze Ärger vergessen."

Quelle: NGZ
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