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Jüchen
Wo sich Jüchener das Ja-Wort geben

Jüchen: Wo sich Jüchener das Ja-Wort geben
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Jüchen. In diesem Jahr haben bereits 260 Pärchen in Jüchen geheiratet. Bis zum Jahresende sollen es noch mehr werden. Viele trauen sich nur noch standesamtlich. Wir haben mit einer Standesbeamtin, einem Pfarrer und einem Paar gesprochen. Von Christian Kandzorra

Plötzlich klingelt im Büro von Standesbeamtin Ute Schwieren das Telefon. "Ja, das ist möglich. Wann möchten 'se denn gern", fragt sie den Mann am anderen Ende der Leitung und blättert im Terminkalender, der stets aufgeschlagen am Telefon liegt. Es geht um eine standesamtliche Trauung. "Im Prinzip ist das unser Tagesgeschäft", sagt Ute Schwieren, die mit ihren Kollegen im Standesamt in diesem Jahr etwa 280 Pärchen verheiraten wird. "Trotzdem ist jede Hochzeit etwas Besonderes", sagt sie. Die beliebtesten Hochzeits-Locations seien das Schloss Dyck und das Haus Katz. Dort gab sich auch das Ehepaar Küppers aus Jüchen das Ja-Wort - und zwar vor Standesbeamtin Ute Schwieren. Das Paar hat sich aber nicht nur standesamtlich trauen lassen: "Wir haben auch kirchlich geheiratet", sagt Stefan Küppers. Pfarrer Ulrich Clancett gab ihnen den Segen, vor ihm sagten sie noch einmal ganz offiziell: "Ja, ich will." Die Hochzeit - da sind sich Mareike und Stefan Küppers einig - zählte zu den schönsten Tagen in ihrem Leben.

In Jüchen heiraten allerdings deutlich mehr Menschen standesamtlich als kirchlich. In St. Jakobus zum Beispiel sind es gerade einmal zwischen zehn und 20 Hochzeiten pro Jahr. "Die Brautpaare werden auch immer älter", berichtet Ulrich Clancett - aber: "Sie machen sich auch deutlich mehr Gedanken über ihre Partnerschaft und über die Hochzeitsfeier." Ob schon mal ein Pärchen vor dem Altar einen Rückzieher gemacht hat? "Nein, das ist noch nicht vorgekommen. Aber schon einmal wenige Tage vor dem Hochzeitstermin", erzählt er.

Mareike (33) und Stefan Küppers (35) waren sich aber ganz sicher. "Wir erwarten bald unser zweites Kind", erzählt Stefan Küppers stolz. Das rundet das Familienglück der gebürtigen Jüchener ab. Ihre Hochzeit werden sie nie vergessen - "schließlich hat meine Frau mich in der Kirche mit einem Song von Metallica überrascht", erzählt Rockmusik-Fan Küppers schmunzelnd. So ertönte der Song "Nothing else matters" auf der Orgel. "Die Überraschung ist meiner Frau gelungen. Das war ein echter Liebesbeweis." Schon zehn Jahre vor ihrer Hochzeit waren Mareike (sie hieß damals noch Voigt) und Stefan Küppers ein Paar. "Tendenziell leben die Leute heute längere Zeit ohne offizielle Trauurkunde. Früher haben viele Menschen schon mit Anfang 20 geheiratet, inzwischen heiraten die meisten einige Jahre später - manche sogar erst, wenn sie älter sind als 30 Jahre", erzählt Ulrich Clancett, bei dem sich auch Paare das Sakrament der Ehe schenken, die keine enge Bindung zur Kirche haben. "Viele entscheiden sich dennoch dafür, weil es eben ein sehr festlicher Rahmen ist."

Für ihn gehören Hochzeiten allerdings nicht so zum Alltagsgeschehen wie für Ute Schwieren im Standesamt. Sie und ihre Kollegen erzählen bei jeder Trauung auch etwas Persönliches. "Weil viele Menschen nicht mehr kirchlich heiraten, werden die standesamtlichen Trauungen immer festlicher. Viele Paare ziehen mit Musik ein", erzählt Schwieren, die in ihrer Amtszeit schon viel erlebt hat. "Einmal stand ein Bräutigam im Stau und kam zu spät. Ein anderer Bräutigam war eigentlich inhaftiert und hat für die Trauung Freigang bekommen. Er wurde danach von der Polizei gesucht, weil er nicht mehr zurück ins Gefängnis kam." Schwieren hat auch mehrere "Stammkunden": "Ein Mann hat vor Kurzem zum fünften Mal geheiratet." Interessant: Sie schätzt, dass 75 Prozent aller Paare, die in Jüchen standesamtlich heiraten, gar nicht aus Jüchen kommen. Wie hoch die Scheidungsrate in der Gemeinde ist, lässt sich übrigens nicht feststellen.

Quelle: NGZ
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