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Jüchen
Zweiter Anlauf für den Bürgerbus ist gestartet

Jüchen. Vor fünf Jahren scheiterten Bürgerbus-Pläne in Jüchen. Nun fand im Haus Katz eine Informationsveranstaltung zum zweiten Versuch statt. Von Julia Zuew

An Fahrgästen für den geplanten Bürgerbus sollte es nicht mangeln, findet Holger Witting, Fraktionsvorsitzender der SPD Jüchen. "Es gibt viele Menschen in den kleineren Ortschaften, die schlecht angebunden sind", sagt Witting. Hier sieht er Perspektiven für einen Bürgerbus, nachdem erste Pläne 2012 scheiterten. Im Haus Katz fand jetzt eine offene Versammlung zum Bürgerbus-Vorhaben statt. Ein Bürgerbus ist ein Kleinbus, der von Ehrenamtlichen gefahren wird und auf einer festen Strecke verkehrt.

Als Referent bei der Versammlung war Wolfgang Schouten eingeladen. Schouten ist Vorstandsmitglied im Verein Pro Bürgerbus und Geschäftsführer des Bürgerbusvereins in Tönisvorst. "Ohne Fahrgäste schwindet auch bei den Fahrern die Motivation", sagt Schouten zum Publikum aus etwa 30 Zuhörern.

2012 wurden Pläne zu einem Bürgerbus in Jüchen gekippt. Damals hatte die CDU der Ausfallbürgschaft für den Bürgerbus im Umfang von 50.000 Euro nicht zugestimmt. Außerdem hätte die Gemeinde mit 5000 Euro jährlich den Bus fördern sollen. Aus Sicht des Jüchener CDU-Fraktionschefs Norbert Esser sei die "Wirtschaftlichkeit nicht nachvollziehbar" gewesen, als "Projekt von zweifelhaftem Nutzen" bezeichnete er das Vorhaben. "Leider lässt sich der Bedarf im Vorfeld nicht detailliert darstellen", sagte vor fünf Jahren der damalige SPD-Chef in Jüchen, Holger Tesmann. In anderen Gemeinden habe erst die Umsetzung für eine große Nachfrage gesorgt.

Der aktuelle Entwurf für einen Bürgerbus in Jüchen ist nun zunächst angestoßen. Der Bedarf sei da, betont Witting. Besonders ältere Menschen "müssen manchmal in der Nachbarschaft fragen", um von A nach B zu kommen. Für die Betreiber der Linienbusse lohnt es sich aufgrund geringer Fahrgastzahlen nicht, die Siedlungen anzusteuern. Eine genaue Erhebung möglicher Fahrgastzahlen, Finanzierungsmöglichkeiten und Kostenkalkulationen stehen allerdings noch aus. Schouten betont: "Die Gegebenheiten sind in jedem Ort anders." Beispielsweise hängt von der lokalen Infrastruktur ab, welche Sponsoren oder Werbepartner die Initiative unterstützen könnten. Am wichtigsten sei jedoch, ein überzeugendes und ausgereiftes Konzept vorzustellen, wenn ehrenamtliche Fahrer, Ansprechpartner und jemand für die Öffentlichkeitsarbeit gesucht wird. Je ausgereifter das Projekt, umso überzeugender wirkt es auf Freiwillige.

Um den Bürgerbus zu betreiben, muss ein Förderverein gegründet werden. Auch hierzu müssen interessierte Bürger, sowie die ehrenamtlichen Fahrer selbst, angeregt werden. Damit das Projekt auf Dauer erfolgreich ist, "darf der Bürgerbus nicht zum Politikum werden", sagt Schouten bei der Versammlung. "Es ist in Ordnung, wenn eine Partei das Projekt anstößt, aber im Vorstand sollten keine Politiker sein." Auch SPD-Chef Witting findet, das Thema sei zwar von der SPD forciert, der Nutzen sei allerdings wichtiger als die politische Linie.

Quelle: NGZ
 
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