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Kaarst
100-Jährige war Polizei-Sekretärin

Kaarst: 100-Jährige war Polizei-Sekretärin
Ließ sich vom Schicksal nicht unterkriegen: Irmgard Kaiser (100). FOTO: ATI
Kaarst. Irmgard Kaiser floh zweimal in ihrem Leben: aus Ostpreußen und der DDR.

Über einer strahlenden Irmgard Kaiser hängt die Zahl "100" in Form silberner Luftballons. Zur besonderen Geburtstagsfeier haben sich zahlreiche Gäste im Wohnbereich 1 des Vinzenzhauses eingefunden. Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus überbringt die Glückwünsche der Stadt Kaarst, des Landrates und des Bundespräsidenten. "Offenbar kann man im Vinzenzhaus gut alt werden", sagt sie.

Die Jubilarin wurde am 6. Mai im ostpreußischen Wehlau geboren. "Nach der Schule arbeitete sie als Sekretärin in einer Musikschule", erzählt Schwiegersohn Friedrich Wilhelm Bootz. Sie heiratete in Stuhm und gebar zwei Kinder, um die sie sich alleine kümmern musste, während ihr Mann im Krieg war. 1945 floh die junge Familie Richtung Harz.

"Die Tochter saß im Kinderwagen, der Sohn lief nebenher. Davon erzählt sie immer", sagt Bootz. Die Vertriebenen fanden in Wernigerode eine neue Bleibe, und Irmgard Kaiser brachte ihr drittes Kind zur Welt. 1954 floh die Familie erneut, diesmal aus der DDR nach Uedesheim, bevor sie in Neuss eine neue Heimat fand. Hier arbeitete Irmgard Kaiser als Sekretärin bei der Polizei. "Sie ist seit 35 Jahren in Rente", sagt Bootz schmunzelnd. Seit 13 Jahren lebt sie im Vinzenzhaus. "Sie nimmt noch an allem teil, singt gerne, achtet auf ihr Äußeres und ist ein bisschen eine ,Grande Dame'", sagt Detlev Rath, der Leiter des Vinzenzhauses.

Ihren altersbedingten Beschwerden begegnet sie mit Gelassenheit und Freundlichkeit. Politisches Geschehen verfolgt sie noch interessiert am Fernsehen und in der Zeitung. "Am liebsten isst sie eine dicke Kugel Erdbeereis", verrät Bootz' Lebensgefährtin Jutta Klamke. Von den Schicksalsschlägen in ihrem Leben - den Tod ihrer drei Kinder und ihres Ehemannes - hat sich Irmgard Kaiser nicht unterkriegen lassen.

(keld)
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