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Kaarst
16 Jahre für die Herzensstadt

Kaarst: 16 Jahre für die Herzensstadt
2012: Fassanstich zum Stadtfest "Kaarst Total" mit Hermann Gröhe (l.).
Kaarst. Am 20. Oktober geht Kaarsts erster hauptberuflicher Bürgermeister in den Ruhestand. Franz-Josef Moormann will künftig vor allem Privat- und Familienmensch sein. Ein Abschiedsgruß. Von Julia Hagenacker

In einem Schrank in seinem Büro im vierten Stock des Rathauses hat Franz-Josef Moormann alle netten Briefe aufbewahrt, die er im Laufe seiner Amtszeit bekommen hat. Sie zu lesen, sagte er mal vor drei Jahren, anlässlich seines 60. Geburtstags, habe ihm in den vergangenen Jahren ganz oft neuen Mut gemacht. Und Freude, weil jede Zeile ganz sicher von Herzen kam. Die Kaarster schätzen ihren Bürgermeister. In zehn Tagen geht er in den Ruhestand.

Die Schränke im Büro des Verwaltungschefs sind schon fast leergeräumt. Nur ein paar selbst angelegte Handakten zu laufenden Themen hat Moormann für seine Nachfolgerin Ulrike Nienhaus stehenlassen - "falls sie einfach einmal reinschauen will".

Wahlpräsentation der Stadt Kaarst am 26. September 1999: Mit 58,5 Prozent setzt sich Franz-Josef Moormann gegen seinen Mitbewerber durch. FOTO: Woitschütze, Andreas

Die Entscheidung, den Stab abzugeben, nicht zum vierten Mal zur Wiederwahl anzutreten und etwas Neues anzufangen, war eine rein persönliche. "Ich werde dann 63 Jahre alt sein und möchte meinen Lebensrhythmus ändern", hatte der Vorster, der in Düsseldorf geboren wurde und als Neunjähriger mit seiner Familie nach Kaarst zog, erst seiner Partei, der CDU, und dann der Öffentlichkeit mitgeteilt. Er wolle die Prioritäten für seine Zukunft so setzen, dass er Freiraum gewinne und sich seiner Familie und seinen persönlichen Anliegen widmen könne. Ziemlich genau ein Jahr ist das jetzt her. Mit seiner Entscheidung, sagt Moorman heute, sei er nach wie vor im Reinen. So etwas wie Wehmut verspüre er nicht. Eher Dankbarkeit und Freude - darauf, was kommt und darüber, was war.

1999 kam Franz-Josef Moormann aus dem Landesumweltministerium nach Kaarst, als erster hauptamtlicher Bürgermeister überhaupt. CDU-intern hatte er sich gegen den damaligen Stadtdirektor Helge Schmidt durchgesetzt. "Für mich war das schon ein mutiger Schritt", erinnert sich Moormann. "Ich hatte im Ministerium einen guten Job und eine wichtige Aufgabe. Selbstverständlich habe ich mich manchmal gefragt: Was wäre gewesen, wenn Du das damals nicht gemacht hättest?, aber ich habe das eben auch als Herausforderung gesehen." Von der persönlichen Lebensplanung her sei der Wechsel immer ein guter gewesen", sagt der Bürgermeister. "Und ich glaube, ich war auch ein guter Verwaltungsbeamter. Die Arbeit mit Menschen, das sich Begegnen, hat mir offenbar gelegen. Es hat Spaß gemacht, Dinge voranzubringen und Ziele zu verfolgen - für meine Heimat- und Herzensstadt."

Bereit für große Sprünge: Bei einer Pressekonferenz zum Sportabzeichen greift Franz-Josef Moormann 2013 mal eben zum Springseil. FOTO: lber, woi, jaz, abau

Und jetzt? Wer Franz-Josef Moormann nach seiner Lebensplanung fragt, bekommt eine eher philosophische Antwort zu hören. "Ich vergleiche mich gerne mit einem Schreinermeister, weil ich selber gerne mit Holz arbeite", sagt der 63-Jährige. "Ich bewundere, was Schreiner so zustande bringen. Der Vorteil ist: Irgendwann ist ein Möbelstück fertig, das Werk vollbracht, bevor man mit dem nächsten beginnt. Diese Vorstellung habe ich auch vom eigenen Leben."

Quelle: NGZ
 
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