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Kaarst
Aktive Senioren wollen ihre Stadt mitgestalten

Kaarst: Aktive Senioren wollen ihre Stadt mitgestalten
FOTO: dpa-tmn
Kaarst. Gestern wurden die Ergebnisse einer Umfrage vorgestellt: Viele ältere Menschen klagen über hohe Mieten und vermissen einen Treffpunkt. Von Rudolf Barnholt

Die Stadt Kaarst möchte für den demografischen Wandel gerüstet sein. Sie hat 1200 Senioren schriftlich zu ihrer aktuellen Situation befragt - 411 Fragebogen kamen ausgefüllt zurück. Das Ergebnis wurde gestern Nachmittag im Rahmen einer Bürgerkonferenz zum Sozialplan Alter vorgestellt. Anschließend hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, zu den unterschiedlichsten Themen Wünsche zu äußern und Vorschläge zu machen. Begleitet wird das Projekt vom Düsseldorfer Forschungsinstitut Geragogik (Alterspädagogik) und vom Institut für Gerontologie (Alterswissenschaft) an der TU Dortmund.

Es waren rund 40 Senioren in der Rathausgalerie zusammengekommen - auf den ersten Blick keine schlechte Resonanz. Es waren allerdings fast ausschließlich Bürger, die sich ohnehin schon engagieren, sei es in einer Partei, in einem Verein, in der Senioreninitiative oder im Seniorenbeirat. Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus machte auf Folgendes aufmerksam: "Im Jahre 2030 werden rund 5000 Einwohner über 60 Jahre alt sein." Die jetzigen und künftigen Senioren hätten einerseits Ansprüche, andererseits seien sie in besserer gesundheitlicher Verfassung als das früher der Fall war.

Gerd Eisenach vom Seniorenbüro der Stadt Kaarst hatte neun Thementische aufgestellt - an jedem konnten später Vorschläge auf Karten notiert werden. Aber zunächst ging Anja Gieseking vom Institut für Gerontologie an der Technischen Universität in Bochum detailliert auf die Ergebnisse der Befragung ein - im Herbst letzten Jahren waren 1200 per Zufallsprinzip ausgewählte Senioren ab 60 angeschrieben worden. Eine Besonderheit: In Driesch wurden alle Bürger ab 60 Jahren kontaktiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Zufriedenheit der im Stadtgebiet lebenden Senioren recht hoch ist - gleichwohl gibt es Defizite. Und: Es gibt oft große Unterschiede zwischen den einzelnen Ortsteilen. So leben in Alt-Kaarst 28,2 Prozent der Senioren allein, in Vorst sind es nur 13,9 Prozent. Vielen älteren Menschen ist ihr Eigenheim zu groß, und wenn sie zur Miete wohnen, ist ihnen die Miete zu hoch. Die Barrierefreiheit wird als nicht zufriedenstellend beurteilt, ein gemütlicher Treffpunkt wird vermisst, und 81 Prozent der Befragten gaben an, keine Langeweile zu haben.

Die Hälfte ist offen für Neues wie zum Beispiel ehrenamtliches Engagement. Wie schön, dass nur 12 Prozent jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Professor Elisabeth Bubolz-Lutz vom Forschungsinstitut Geragogik berichtete vom Experten-Workshop im Januar diesen Jahres. An neun weiß gedeckten Tischen konnten die Senioren sich schriftlich äußern, etwa zu Themen wie Treffpunkt-Initiatoren, Kulturentwickler und Bildungsplaner, Pflege-Unterstützer, Mobilitätsförderer oder Informationsoptimierer, Umfeldgestalter, Wohnform-Finder sowie Sport- und Bewegungsbegeisterte.

Eckart Rosemann von der Senioreninitiative möchte, dass die Stadt Strukturen schafft, im Rahmen derer sich ehrenamtliches Engagement entwickeln kann. Angeregt wurden auch eine Wohnungsbaugesellschaft, damit Mieten moderat ausfielen, und Bildungsangebote nicht nur in Alt-Kaarst sowie Angebote für "junge Alte". Notiert wurde aber auch, dass es nicht genug Seniorensport-Angebote gibt.

Quelle: NGZ
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