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Kaarst
Albanerin darf Altenpflegerin werden

Kaarst. Noch vor wenigen Monaten sah es so aus, als könne Arjola Hatija ihre Ausbildung im Johanniter-Stift niemals antreten. Ihrer Familie drohte, Deutschland verlassen zu müssen. Dank des Engagements von vielen darf sie nun bleiben. Von Dagmar Fischbach

In der Caféteria und den Zimmern des Johanniter-Stifts ist Arjola Hatija gern gesehen. "Unsere Bewohner freuen sich, wenn sie kommt. Uns war vom ersten Tag an klar: Diese junge Frau hat das Pflege-Gen", sagt Leiterin Rosel Band. Und auch Arjola Hatija ist sicher: "Altenpflegerin ist mein Traumberuf. Ich möchte für immer hier arbeiten." Bis vor wenigen Wochen hatte es allerdings so ausgesehen, als würde sie ihre Ausbildungsstelle niemals antreten können.

Arjola Hatija ist Albanerin. Im Juli 2015 kam sie mit ihrem Ehemann Blerim und Töchterchen Amanda (5) nach Kaarst. Im Café International lernte sie Christine Wilsch kennen, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert. Sie und ihr Mann Hanno vermittelten Blerim Hatija eine Ausbildungsstelle als Fliesenleger, Arjola einen Praktikumsplatz im Seniorenstift. "Nachdem sie so super angekommen ist und unbedingt hier arbeiten wollte, hätte sie im Stift eine Ausbildung machen können", erzählt Christine Wilsch. Doch dann der Schock: Der Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit gab seine Zustimmung nicht. "Die Entscheidung wurde mit der sogenannten Vorrangprüfung begründet", erinnert sich Wilsch. Dabei wird geprüft, ob Inländer (nicht zwingend Deutsche) benachteiligt würden, wenn eine freie Stelle durch einen Einwanderer besetzt wird.

"Dabei brauchen wir dringend Fachkräfte in der Altenpflege. Das ist ein sehr anspruchsvoller Beruf, für den nicht jeder geeignet ist und den nicht alle machen möchten", erklärt Rosel Band. Arjola Hatija hätte gewollt und gekonnt, doch sie durfte nicht. "Albanien gilt als sicheres Herkunftsland. Die Familie hätte zurückkehren müssen", erklärt Christine Wilsch.

Doch die Ehrenamtliche ließ nicht locker und auch Rosel Band setzte sich für die junge Frau ein. "Nachdem im Juni die NGZ über den Fall berichtet hatte, setzte sich dann die Bürokratie-Mühle langsam in Bewegung und schließlich erlaubte die Bundesagentur, dass Arjola die Ausbildung machen kann", so Wilsch.

Die junge Frau spricht inzwischen sehr gut Deutsch und kann ihr Glück kaum fassen. "Ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen. Ich verstehe die alten Menschen, sehe an ihren Augen und ihrer Mimik, wie es ihnen geht und ich möchte ihnen gern helfen", sagt sie. Ihre Ausbildung gestartet hat sie mit einem sechswöchigen theoretischen Unterricht. Seit einer Woche ist nun der praktische Teil an der Reihe. "Die Arbeit mit den Senioren ist am schönsten. Ich verstehe zwar noch nicht alles, was sie mir sagen. Aber vieles läuft auch ohne Worte", sagt die Albanerin. In ihrer Heimat hat sie sich lange um ihre Großeltern gekümmert. "Meine Oma hatte Diabetes, mein Opa schweres Asthma. Die Leiden alter Menschen sind mir nicht fremd", sagt sie.

Für Rosel Band und ihr Team ist Arjola Hatija eine Bereicherung. "Wir bekommen oftmals Bewerber vom Arbeitsamt zu uns geschickt. Sie kommen, weil sie es müssen, nicht weil sie es wollen - wenn sie überhaupt kommen", so Band. Für Azubi Arjola sei der Beruf hingegen Herzenssache. "Solche Menschen brauchen wir", so Band.

Quelle: NGZ
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