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Kaarst
Alt und Jung lernen das Miteinander

Kaarst: Alt und Jung lernen das Miteinander
Lars und Felix gehörten zu den Schülern der Elisabeth-Selbert-Realschule, die auch mit Hilfe von Fotos die Lebenswirklichkeit von älteren Menschen kennenlernten. FOTO: Anja Tinter
Kaarst. "Förderung der Akzeptanz im Miteinander der Generationen" heißt ein Projekt, das Schüler der Elisabeth-Selbert-Realschule ins Johanniterstift führte. Dort erleben sie beim Demenz-Parcours die Probleme von älteren Menschen. Von Elisabeth Keldenich

Seniorenbeiratsmitglied Gerda Linden hatte die Idee zum Pilotprojekt "Förderung der Akzeptanz im Miteinander der Generationen": Als ehemalige Leiterin einer Fachschule für Altenpflege liegt ihr das Thema besonders am Herzen, sagt sie. Inge Heil, Fachlehrerin für katholische Religion, Politik und Mathematik an der Elisabeth-Selbert-Realschule, setzt es derzeit mit ihrem Politikkursus der 10. Klasse um. Bei drei Besuchen brachte Gerda Linden mit Hilfe von Fotos den Schülern die Lebenswirklichkeit älterer Menschen bereits näher. "Die Jugendlichen sind sehr interessiert", sagt sie zufrieden. Und Pädagogin Heil ergänzt: "Der Wert des Lebens und die nötige Empathie für alte Menschen wurden ebenfalls ausführlich besprochen." Die Jugendlichen hätten gebannt zugehört.

Nun verbrachten die 28 Schüler - acht Mädchen und 20 Jungen - einen Vormittag im Johanniterstift und erlebten einen Demenzparcours und eine Gesprächsrunde mit Senioren. Beim Parcours versetzten sie sich an 13 Stationen in den Tagesablauf eines demenziell veränderten Menschen.

An den Spiegelboxen fiel ihnen jede noch so einfache Handlung schwer. "Ich bin mega verwirrt und finde es sehr schwierig", sagte Renja (17) beim vergeblichen Versuch, Essen in Form farbiger Papierkugeln auf Teller zu bugsieren. Nicht viel besser erging es Celina und Filiz: Die beiden 15-Jährigen fanden es "blöd", Verkehrszeichen nicht richtig einzeichnen zu können. Das Gefühl der Hilflosigkeit überwog - ein erklärtes Ziel des Parcours, um wertschätzendes Verständnis zu wecken: "Demenz ist jeden Tag", erklärte Petra Kinzel, sie ist die Leiterin der sozialen Dienstes, den Schülern.

In der Gesprächsrunde entspann sich ein lebhafter Dialog. "Man kann hier viel übereinander lernen, Vorurteile abbauen und so mehr Rücksicht aufeinander nehmen", zog Tobias Bilanz. Mefat war wichtig, für die Zukunft ein besseres Miteinander zu schaffen. Und Ann, erst seit drei Jahren in Deutschland, freute sich über das große Interesse der älteren Generation an der jüngeren.

Manfred Hasenbein (81) und Lucia Pietryga (91) verhehlten dabei nicht ihre Prägung durch den Zweiten Weltkrieg. Trotzdem hatten sie auch schöne Erlebnisse. Hasenbeins wichtigster Rat: ehrlich sein und freundlich seine Meinung sagen. "Der Ton macht die Musik!" Und was wünschen die Älteren den Jüngeren? Da wurde Manfred Hasenbein sehr deutlich: "Wir haben Bekloppte in allen Regierungen. Ich habe Angst um die Jugendlichen", meinte er.

Lucia Pietryga empfindet die aktuelle Entwicklung auch als erschreckend: "Ein friedliches Zusammenleben in einem vereinten Europa soll erhalten bleiben", meinte er und wünscht sich eine Rückkehr zur Normalität.

Die Schüler zeigten sich mit dem Verlauf des Projekts durchweg zufrieden. "Das ist mal etwas anderes als Standardunterricht und hilft zum Verständnis mit Älteren", meinte Felix.

Die Diskussion mündete in das Thema Altenpflege. Die Leiterin des Johanniterstifts, Rosel Band, beklagte den Personalmangel und befürchtete für die Zukunft den Einsatz von Robotern. "Die Menschen brauchen aber euch", meinte sie an die Schüler gewandt. Gerda Linden machte sich für eine bessere Wertschätzung der Pflegeberufe stark: "Sie müssen allen anderen medizinisch Tätigen gleichgestellt werden!" Sorgfältige Beobachtung erfährt das Projekt durch Gerd Eisenach vom Seniorenbüro der Stadt Kaarst: "Wir möchten es an allen weiterführenden Schulen anbieten." Denn es diene nicht nur der Empathie, sondern auch der Förderung von Berufskräften.

Quelle: NGZ
 
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