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Kaarst
Arche Noah und Superhelden als Lieblingsmotive

Kaarst. Der 28-jährige Necati Özen ist der "heimliche Star" unter den Malern des Ateliers und Kunstcafés EinBlick. Von Bärbel Broer

Es sind farbenfrohe Hingucker - die Bilder von Necati Özen. Der 28-Jährige mit geistiger Behinderung ist der "heimliche" Star unter den Künstlern im Team des Ateliers von Brigitte Albrecht, die auch ehrenamtliche Geschäftsführerin des Kunstcafés EinBlick ist. Vor allem seine "Arche Noah" hat schon viele Käufer gefunden. "Die habe ich bestimmt schon 30 oder 40 Mal gemalt", erzählt Necati Özen.

Dass sein Talent schon früh erkannt wurde, ist vor allem der Aufmerksamkeit seiner Lehrer an der Förderschule Am Nordpark in Neuss zu verdanken, wo Özen 13 Jahre lang bis zur heute sogenannten Berufspraxisstufe zur Schule gegangen ist. "Seine Lehrer hatten Necatis Talent und seine Motivation früh erkannt und mit mir Kontakt aufgenommen", sagt Kunstpädagogin Brigitte Albrecht, bis vor einem Jahr Lehrerin an der Förderschule für geistige Entwicklung in Kaarst. Albrecht hatte vor 14 Jahren das Kaarster Atelier und das Kunstcafé EinBlick gegründet, wo Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam kreativ sind. "Necati kam regelmäßig in die Malgruppe und lernte eifrig", erinnert sich Albrecht. Sie brachte ihm bei, wie Perspektiven und Schatten, Proportionen und Gesichter korrekt gemalt werden. "Das war sehr anstrengend", so Özen, "ich habe immer wieder geübt und viele Skizzen gemalt."

Özen ist schwerhörig, hat eine Gaumenspalte und Probleme mit Sprache, Artikulation und Formulierung seiner Gedanken. Doch so wie er seine malerischen Fähigkeiten mit viel Engagement immer weiter verbessert hat, hat er offenbar auch an Sprache und Ausdruck gearbeitet. Denn er spricht lebhaft, gut verständlich und manches Mal blitzt Humor auf: "Ich hatte immer Personen ohne Gesichter gemalt. Das war meine künstlerische Freiheit." Diese Ausrede ließ Albrecht nie gelten. "Erst wenn Du zeichnen kannst, darfst Du dir auch Freiheiten erlauben", habe sie ihm erklärt. Auch Picasso habe erst angefangen, abstrakt zu zeichnen, nachdem er realistisch gemalt hatte.

Heute beherrscht Özen die unterschiedlichsten Techniken. "Er war immer hoch motiviert, kam fast jeden Tag ins Atelier. Irgendwann hat er sogar den Schlüssel bekommen", so Albrecht. Zuhause hätten seine Eltern wenig Verständnis für das Malen gehabt, sagt Özen, der aus einer türkischstämmigen Familie kommt. "Meine Mutter wollte nicht, dass ich mich dabei dreckig mache." Dass für ihn als Moslem ausgerechnet das christliche Motiv der "Arche Noah" zu seinen häufigsten Werken zählt, ist dem Zufall geschuldet. Ihm gefiel die Vorlage aus einem Kindergartenkatalog. "Die Geschichte hat er erst später kennengelernt", so Albrecht.

Seit zehn Jahren gehört Necati Özen zum Team des Ateliers. Zudem arbeitet er vormittags im Brötchenverkauf der Volkshochschule und ab mittags im Café Einblick. "Da seine Arbeitszeit auf 30 Wochenstunden begrenzt ist, bleibt aber genügend Zeit zum Malen", sagt Albrecht. Neben der "Arche Noah" beherrscht Özen auch das Malen aller Superhelden wie Superman, Hulk, Batman oder Spiderman. Bei Eltern sind besonders seine Phantasietiere beliebt, und schon manches seiner Bilder hängt in Kinderzimmern. "Wir verkaufen die Werke als Verein, die Hälfte geht an den Künstler", so Albrecht. Derzeit sind jedoch kaum Gemälde von Özen zu sehen. Im Atelier gibt es keins mehr, und von den 17 Bildern, die von allen Mitarbeitern des Ateliers in der Zahnarztpraxis von Andrea Servos ausgestellt waren, sind bereits 14 verkauft. "Ich habe mir eine kreative Pause von drei Wochen gegönnt", so Özen schelmisch. "Doch jetzt will ich wieder loslegen. Denn das Malen macht mir am meisten Spaß."

Quelle: NGZ
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