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Kaarst
Auf den Spuren der heiligen Gaben

Kaarst. Gold, Weihrauch und Myrrhe: Was die Heiligen Drei Könige Jesus schenkten, ist teilweise auch heute noch beliebt. Von Elisabeth Keldenich

Zuerst besuchten die armen Hirten das Jesuskind, dann kam mit den Heiligen Drei Königen das volle Kontrastprogramm zur Krippe: Caspar, Melchior und Balthasar stehen für die damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika. Ihre Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe waren nicht nur die wichtigsten Arzneimittel der damaligen Zeit und für viele Menschen unerschwinglich, sondern besaßen zugleich hohe Symbolkraft: Gold stand für die Königswürde Jesu Christi, Weihrauch für seine (spätere) Würde als Hoher Priester und Myrrhe für ein von Gott gesandtes Erlösertum. Wo finden wir heute Spuren dieser Gaben in Kaarst?

Am leichtesten lässt sich die goldige verfolgen: Bei Goldschmiedemeister Patrick Lessmann in Büttgen funkelt das Edelmetall in den Legierungen Gelb-, Rot- und Weißgold im Schaufenster und im Geschäft. "Gold hat durch seine mühsame Gewinnung einen großen materiellen Wert. Es ist die Grundlage unseres Handwerks und genießt bei den Kunden ein hohes Ansehen, denn persönliche Wünsche können damit umgesetzt werden", erklärt der 42-Jährige. Dadurch erhält der Schmuck einen unbezahlbaren ideellen Wert. Sehr beliebt ist zum Beispiel das Konfigurieren von Trauringen, so dass diese Zeichen von Liebe und Treue zu echten Unikaten werden. Der traditionelle Gelbgoldring ist dabei der Favorit. "Gold ist nie weg. Es kann eingeschmolzen und neu verarbeitet werden und ist somit immer wieder verwertbar. Außerdem besitzt es edle Eigenschaften wie hohe Dehnbarkeit", erklärt der Fachmann. Zudem bleibe Goldschmuck das klassische Weihnachtsgeschenk.

Und zu welchem hat Lessmann eine besondere Beziehung? "Zu meinem Meisterstück von 2004 - ein Collier aus Weißgold, das im Tresor verwahrt wird", sagt er lächelnd.

Die Weihrauchspur lässt sich am besten erschnüffeln: Wenn es in der Kirche "qualmt" - manche behaupten auch stinkt - weiß der erfahrene Gottesdienstbesucher, dass das Harz des Weihrauchbaumes im Einsatz ist. "Wir haben vier Fässer und drei Schiffchen", berichtet Laura Blume, Messdienerleiterin der katholischen Sankt-Martinus-Gemeinde. Sie verrät das (offene) Geheimnis, wie der Rauch entsteht: Zuerst werden Holzkohlestückchen auf einer Steinplatte erhitzt und in das Fässchen gelegt. Durch Schwenken erhält die Kohle ausreichend Sauerstoff und beginnt zu glühen. Anschließend verteilen die Messdiener Weihrauchkörner aus dem Schiffchen auf der Kohle - der charakteristische Rauch entfaltet sich.

"Es gibt 30 verschiedene Arten von Weihrauch - wir haben viele getestet und benutzen jetzt die Sorte 'Heilige Drei Könige'", erzählen die Messdiener. Wie passend. Diese Heiligen Drei Könige verursachen kein Kratzen im Hals, wie es bei der Sorte "Rosenweihrauch" der Fall war. Überhaupt habe man immer das Wohlergehen von Priestern, Messdienern, Gottesdienstbesuchern und Chorsängern im Blick - letztere seien durch den nach oben steigenden Rauch Richtung Orgelempore besonders "betroffen". Kreislaufprobleme gehen meistens auf eine falsche Atemtechnik zurück, da angesichts des Rauchs das Atmen vermieden und Sauerstoffmangel riskiert werde, erläutert Pfarrvikar Gregor Ottersbach. Die liturgische Aufgabe des Weihrauchs: "Das Gebet steigt wie der Weihrauch zum Himmel auf", sagt er.

Die Spur der Myrrhe dagegen verliert sich in der Pharmazie. Das Gummiharz der Balsambaumgewächse in Somalia findet kaum noch Verwendung. "Es hat sich nicht durchgesetzt", so Peter Kalscheuer von der Martinusapotheke. Er führt derzeit nur ein Präparat, das Myrrhe enthält: eine intensiv schmeckende Tinktur bei Entzündungen der Mundschleimhaut.

Quelle: NGZ
 
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