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Kaarst
Aus dem Reich der Mitte zurück in Kaarst

Kaarst: Aus dem Reich der Mitte zurück in Kaarst
Er hatte Zeit genug, die Unterschiede zwischen China und Deutschland kennenzulernen: Jetzt will Stefan Pauen erst einmal zu Hause bleiben. FOTO: A. Tinter
Kaarst. Stefan Pauen hat vier Jahre lang in China gelebt, freut sich nun auf seine Familie und den Enkel. Von Rudolf Barnholt

Er ist wieder hier, in seinem Revier: Stefan Pauen hat viereinhalb Jahre aus beruflichen Gründen in China gelebt. In seinem Haus am Freesienweg war er seit 1999 eher selten. In China hat er schon früher gearbeitet - aber auch in Berlin, München, Norwegen und Thailand, außerdem in Russland und Dubai. "Jetzt bleibe ich erstmal hier", hat sich der 58-Jährige vorgenommen.

Was schon ein wenig erstaunt: Stefan Pauen ist kein abenteuerlustiger Junggeselle, sondern ein Familienvater mit drei erwachsenen Kindern. Und seit anderthalb Jahren ist er sogar Großvater. "Fünf Mal habe ich meinen Enkel bis jetzt gesehen", gesteht der Ingenieur. Und wenn er von seiner Angetrauten Rita spricht, sagt er "Frau Pauen". Die habe ihn auch bewegt, nach Hause zurückzukehren. Von jetzt an steht sein Schreibtisch im 53 Kilometer entfernten Leverkusen. Stefan Pauen muss sich erst in seinem neuen Leben zurechtfinden. Noch plagt ihn die Zeitumstellung - er ist viel zu früh wach und viel zu früh müde - , und er muss alte Beziehungen zu Bekannten und Freunden neu beleben. Aus China bringt er überwiegend positive Erlebnisse mit. Er hat hauptsächlich in Cao Jing, rund 60 Kilometer von Shanghai entfernt, gelebt. Sein Job im Turnaround-Management bei der Covestro (früher Bayer) hat ihm Spaß gemacht, er konnte eigenverantwortlich agieren. Stefan Pauen war für die Produktion hochwertiger Kunststoffe zuständig, für Polycarbonate und Polyurethane. In dem Werk arbeiten 2800 Menschen, davon rund 100 "Westler", vornehmlich aus den USA, Deutschland und Spanien. "Ich bin mit den Chinesen gut klargekommen, und die Deutschen sind dort sehr beliebt", sagt der Kosmopolit. Die Kultur sei aber schon ganz anders und gewöhnungsbedürftig. Das gelte auch für die Arbeitsweise: "Die Ansprüche an die Qualität der Arbeit ist nicht so hoch." Und die an den Umweltschutz auch nicht. Und weil das so ist, genießt Stefan Pauen jetzt die vergleichsweise sehr gute Kaarster Luft. Vergleichbar sind auch weder die Löhne für die chinesischen Arbeiter noch die Preise in dem fernen Land: "Mein Fahrer verdiente umgerechnet 500 Euro im Monat, meine Haushälterin 200 Euro. Der Anzug mit Weste, den ich mir nach Maß schneidern ließ, kostete rund 80 Euro."

Stefan Pauen weiß noch nicht, ob er eine große Feier organisieren soll, um möglichst viele frühere Bekannte wiederzusehen. Dass ihn Langeweile quälen wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Der Garten bedarf einer gehörigen Portion an Zuwendung, die Reifen des Ford Mustang drohten durch das lange Stehen eckig zu werden, und aus China ist in Teilen ein Motorrad mit Beiwagen gekommen. Und dann sind da ja noch die drei Kinder, der Enkel - und "Frau Pauen".

Quelle: NGZ
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