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Kaarst
Bedenken gegen Flüchtlingsheim

Kaarst: Bedenken gegen Flüchtlingsheim
FOTO: Anja Tinter
Kaarst. Die Stadt hat am Montag über die neue Flüchtlingsunterkunft im leerstehenden Fitnessstudio an der Ludwig-Erhard-Straße informiert. Vor allem Familien sollen dort demnächst einziehen. Viele Anwohner fürchten dennoch Gefahr. Von Elisabeth Keldenich

Im Foyer des verwaisten Fitnessstudios an der Ludwig-Erhard-Straße ließen sich am Montagabend circa fünfzig Anwohner von der Verwaltungsspitze und Vertretern des Sozialamtes über einen geplanten Umbau des Gebäudes in eine Flüchtlingsunterkunft informieren. "Aktuell leben 560 Flüchtlinge in Kaarst. Im November wurden uns 38 Menschen zugewiesen, am Montag waren es aktuell 21", erklärte Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus. "Es war für uns ein Glücksfall, dieses Objekt hier kurzfristig anmieten zu können, da wir an einer dezentralen Unterbringung interessiert sind", sagte sie.

Bereits am nächsten Tag begannen die Umbauarbeiten, die die Technische Beigeordnete Sigrid Burghart erläuterte: "Im Foyer entsteht eine Gemeinschaftsküche für die Selbstversorgung, zwanzig Räume als kleine Privatsphärenbereiche und zentrale Toiletten- und Duschanlagen werden eingerichtet". Vor Weihnachten soll alles fertig sein, wobei mit Kosten von bis zu 60.000 Euro gerechnet werde, so Burkhart.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Die Unterkunft ist vor allem für Familien gedacht - für wie viele Menschen, das ist noch unklar. "Der Brandschutz diktiert die Personenzahl", sagte der Erste Beigeordnete Sebastian Semmler. Eine spezielle Betreuung für die durch die Flucht traumatisierten Kinder werde eingerichtet, so Nienhaus. Semmler wies darauf hin, dass bei der Belegung auf ein harmonisches Miteinander religiöser Gruppen geachtet werde. Alle Flüchtlinge würden angeleitet, die Räumlichkeiten und auch die Außenanlagen sauber zu halten. Auf die Frage von Anwohnern nach einer Müllvermeidung, wiesen andere Nachbarn darauf hin, dass das Außengelände aktuell bereits einem Müllabladeplatz gleiche. Bürgermeisterin Nienhaus räumte auf Nachfrage ein, dass das Gebäude für fünf Jahre angemietet wurde. "Wir sind auch weiter auf Hinweise auf freistehende Wohnungen angewiesen", sagte Nienhaus.

Die Bedenken der Anwohner drehten sich vor allem um eine Gefährdung der allgemeinen Sicherheit, da für das Objekt kein entsprechender Dienst vorgesehen ist. Semmler hielt dagegen: "Es gibt eine soziale Betreuung." Bei auftauchenden Schwierigkeiten könne sofort eingeschritten werden. "Unmittelbarer Ansprechpartner wird ein Hausmeister sein", erklärte Semmler. Die Stadt habe ein ureigenes Interesse daran, dass alles gut ablaufe. Die Wahl, zu sagen: "Wir sind voll", gebe es allerdings nicht, fügte Semmler hinzu. Um die Außenanlagen werde ein stabiler Zaun errichtet. "Die Unterkunft ist aber kein Museum, wo man sich mal Flüchtlinge anschauen kann", sagte Semmler und er betonte, dass jeder Bewohner einen Schlüssel bekäme.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Auf die besorgte Frage einer Anwohnerin, ob den männlichen Flüchtlingen vermittelt werde, dass in Deutschland ein anderes Frauenbild herrsche, wies Semmler auf "kulturellen Austausch", begleitende soziale Maßnahmen, Deutsch- und Integrationskurse hin. Bürgermeisterin Nienhaus betonte, dass nicht jeder Flüchtling ein potenzieller Gewalttäter sei. Die vielen Ehrenamtler leisteten hervorragende Arbeit, um die Integration zu erleichtern.

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Fotos: Traglufthalle für Flüchtlinge in Düsseldorf aufgebaut FOTO: dpa, fg jai
Quelle: NGZ
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