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Kaarst
Beim Infarkt entscheiden die ersten 120 Minuten

Kaarst: Beim Infarkt entscheiden die ersten 120 Minuten
Dr. Ralf Maring, Dr. Torsten Becker, Marc Zellerhoff, Professor Michael Haude, Ulrike Nienhaus, Ruth Wiedner, Dr. Hubertus Degen und Günter Kopp (unten, v.l.) beim Herz-Seminar im proppenvollen Einstein-Forum. FOTO: Georg Salzburg
Kaarst. Woran erkennt man einen Herzinfarkt? Fünf Fachärzte haben im Rahmen des Herz-Seminars Auskunft gegeben. Das Interesse war groß. Von Marion Lisken-Pruss

120 Minuten - das ist das entscheidende Zeitfenster bei einem Herzinfarkt. "Denn innerhalb der ersten beiden Stunden stehen die Chancen gut, dass die Schäden am Herzmuskel gering bleiben", sagte Dr. Hubertus Degen, leitender Arzt am Lukaskrankenhaus, vor rund 450 Zuhörern, die zum Herz-Seminar ins AEG-Forum gekommen waren. Die Deutsche Herzstiftung hat die koronare Herzkrankheit (KHK) zum Thema der Herzwochen gewählt, und die Redaktion unserer Zeitung beteiligt sich an der bundesweiten Aufklärungskampagne. Moderiert wurde die Expertenrunde von NGZ-Redakteurin Ruth Wiedner.

"Die KHK kann zum Herzinfarkt führen und ist ein wichtiges Thema angesichts von jährlich 55.000 Herzinfarkt-Toten", sagte Schirmherrin und Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus. Was sich hinter der KHK verbirgt, erläuterte Dr. Torsten Becker, leitender Arzt am Lukaskrankenhaus: "In den Koronargefäßen, die das Herz mit Sauerstoff versorgen, lagern sich sogenannte Plaques ab und verengen sie. Bricht eine Plaque auf, kann sich das Blutgefäß vollständig verschließen." Die Folge: ein Herzinfarkt. Der geht mit Alarmzeichen einher - mit Schmerzen im Brustkorb, Atemnot oder kaltem Schweiß. Bei Frauen sind manchmal Schmerzen im Oberbauch und Brechreiz alleinige Warnzeichen.

"Wählen Sie bei den ersten Alarmzeichen - auch nachts und am Wochenende - direkt die 112", rät Marc Zellerhoff, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Rhein-Kreis Neuss. Denn jetzt kommen die 120 Minuten ins Spiel: Um den Blutfluss wieder herzustellen, wird das verstopfte Gefäß mit einem Ballonkatheter geöffnet und mit einem Stent gestützt. "Das ist nur innerhalb von zwei Stunden erfolgreich möglich", betonte Degen. Und die Zeit läuft, sobald die ersten Symptome auftreten. Der Notarzt funkt das EKG des Patienten noch im Rettungswagen an das Krankenhaus. Seit 2007 werden die Daten im Rahmen des Infarktnetzwerks vom Rettungswagen aus übermittelt, wodurch sich die Infarktversorgung nachweislich verbessert hat.

Auch im Lukaskrankenhaus können nach der digitalen Virus-Attacke ab sofort wieder alle Herz-Untersuchungen durchgeführt und Notfälle behandelt werden: "Wir arbeiten wieder im normalen Modus", sagte Chefkardiologe Professor Michael Haude. Einem Herzinfarkt kann man nicht vorbeugen, wohl aber die Risiken deutlich senken: Bewegung, eine gesunde Ernährung und Stressreduzierung sind für Dr. Ralf Maring, niedergelassener Kardiologe in Kaarst, entscheidend. Und: "Geben Sie das Rauchen auf!" "Meine Hemmschwelle, die 112 zu wählen, ist gesunken", meinte die stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Thönißen. Einer anderen Zuhörerin setzte das Thema so zu, dass sie sich im Rettungswagen untersuchen lassen musste, obwohl der eigentlich nur zu Demonstrationszwecken bereit stand. "Es geht ihr wieder gut", sagte Marc Zellerhoff am Ende der Veranstaltung.

Quelle: NGZ
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