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Kaarst
Bürger sehen sich bei Planung übergangen

Etwa 70 Besucher sind gestern zur Antragskonferenz des Stromnetzausbaus in die Neusser Stadthalle gekommen, unter ihnen Vertreter von Bürger-Initiativen. Obwohl Fragen und Anmerkungen an die Bundesnetzagentur und den Netzbetreiber Amprion zugelassen waren, sahen die meisten Bürger ihren Einfluss auf das Projekt als verschwindend gering an. Von Oliver Burwig

"Hier wird eine Schau veranstaltet, um eine Bürgerbeteiligung zu suggerieren", sagte Helmuth Thetard von der Bürgerinitiative "Pro-Erdkabel-Neuss", die sich prinzipiell gegen eine Freileitung ausspricht. "Den Bürgern fehlen ja die Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen", sagte der 71-Jährige. Die Gesetze des Bundes, in denen der Bedarf des geplanten "Ultranets" festgehalten ist, ließen Gegnern des Projektes nur noch die Klage beim Bundesverwaltungsgericht übrig, findet er. "Amprion treibt die Politik vor sich her." Willi Traut, ebenfalls "Pro Erdkabel", fügte hinzu: "Um eine Waffengleichheit herzustellen, müssten wir zum Beispiel auch Gutachten erstellen. Das können wir uns aber nicht leisten." Die Bürgerinitiativen und Anwohner seien nur eingeladen worden, damit Amprion und Bundesnetzagentur "ihre Schuldigkeit getan" wüssten.

Der 75-jährige Ekkehard Matthes ist resigniert: "Wir haben keinen Einfluss auf die Planung." Er sei nur gekommen, um "zur Kenntnis zu nehmen", was Amprion plane. Christoph Hilden von der Bürgerinitiative "Contra Konverter Gohr, Broich und Umgebung" kritisierte die "euphemistische" Ausdrucksweise des Netzbetreibers. Amprion betonte immer wieder, für die Oberleitungen zwischen Osterath und Rommerskirchen keine neuen Masten bauen zu wollen - dass es aber die noch in der Planung befindliche "EnLag 15"-Leitung zwischen Gohr und Osterath nach deren Fertigstellung möglicherweise ebenfalls für "Ultranet" nutzen will, teilte Heiko Gronau (Amprion) erst auf Nachfrage mit.

Aufseiten der Bundesnetzagentur erkannte Hilden aber den Willen, "das Interesse der Bürger in den politischen Prozess einzubringen". Es sei dem "hohen nationalen Interesse" an "Ultranet" geschuldet, dass "nicht jede Stimme gehört" werden könne. "Es wird zumindest versucht, Transparenz herzustellen", sagte der 33-jährige Landwirt.

Quelle: NGZ
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