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Kaarst
Bus überfüllt - Fahrer lässt Schüler stehen

Kaarst: Bus überfüllt - Fahrer lässt Schüler stehen
Knapp geschafft: Gestern hat sich Jan-Ole Michael noch in den Bus quetschen können, der ihn zur Schule bringt. Das gelingt allerdings nicht jeden Tag. Der Schüler blieb schon ein paar Mal an der Haltestelle zurück. FOTO: Anja Tinter
Kaarst. Seit den Herbstferien sind viele Schüler vom Rad auf den Bus umgestiegen. An der Haltestelle "Denkmal" in Driesch ist der Bus der Linie 860 deshalb in der Regel schon zu voll. Stadt und Busverkehr Rheinland suchen nach einer Lösung. Von Dagmar Fischbach

Seit dem Sommer besucht Jan-Ole Michael das Georg-Büchner-Gymnasium in Kaarst. "Wir haben uns für diese Schule unter anderem entschieden, weil sie dicht bei ist. Im Sommer kann Jan-Ole bequem mit dem Fahrrad hinfahren. Und im Winter ist sie von uns aus gut mit der Buslinie 866 zu erreichen ist", erzählt Mutter Eva Michael. Doch mit Beginn der dunklen Jahreszeit habe sich ihre Einschätzung als Irrtum entpuppt.

"Eines Morgens kam Jan-Ole völlig perplex wieder nach Hause. Der Bus war so voll, dass es keinen Platz mehr für ihn gab. Der Fahrer musste ihn an der Haltstelle zurücklassen", berichtet die Mutter. Sie habe ihren Sohn dann mit dem Auto zur Schule gebracht. An einem anderen Tag sei der Zehnjährige von der Haltestelle Driesch "Denkmal" mit dem nachfolgenden Bus der Linie 860 gefahren -und sei prompt zu spät zum Unterricht gekommen. Eva Michael ist empört: "Wir bezahlen für das Schokoticket unseres Sohnes 34,95 Euro. Es wird nicht subventioniert, weil die Entfernung zur Schule unter dreieinhalb Kilometern liegt. Aber eine Beförderungsgarantie haben wir nicht. Ich bezahle also für eine Leistung, die ich so nicht in Anspruch nehmen kann. Das darf doch eigentlich nicht sein."

Darüber hinaus ist aus ihrer Sicht auch die Sicherheit der Schüler im Bus nicht immer gewährleistet. "Die Kinder stehen teilweise sehr dicht gedrängt bis an die Türen und Scheiben. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was bei einer Vollbremsung alles passieren kann", sagt die besorgte Mutter.

Bei der Stadt ist das Problem bekannt. "Im Augenblick laufen Fahrgastzählungen und Fahrerbefragungen. Die Busverkehr Rheinland GmbH, deren Busse für die Stadt Kaarst unterwegs sind, will so herausfinden, an welchen Stellen es Probleme gibt und warum. Wir rechnen bis Ende des Jahres mit den Ergebnissen der Auswertung. Dann werden wir versuchen, die Probleme zu lösen", sagt Stephan Adams aus dem Büro der Bürgermeisterin. Bedingt durch die freie Schulwahl sei es schwieriger geworden, die Schülerzahlen für die verschiedenen Linien in Kaarst zu berechnen, die zu Zeiten der Schulbezirke planbar waren.

Außerdem sei es nicht möglich, einfach Gelenkbusse einzusetzen oder eine größere Zahl von Bussen zu den Stoßzeiten auf die Straßen zu bringen. "Es ist ja nicht nur in Kaarst morgens um acht Uhr eine der Hauptverkehrszeiten. Das Busunternehmen muss auch andere Städte bedienen und hat nicht unendlich viele Busse zur Verfügung. Zum anderen ist das auch eine Kostenfrage", erläutert Adams.

Schon jetzt bezuschusse die Stadt den Öffentlichen Personennahverkehr mit rund 700.000 Euro pro Jahr. Das sei die Lücke, die zwischen den Einnahmen aus den verkauften Fahrkarten und tatsächlichen Kosten klaffe. "Wir sind bestrebt, eine Lösung zu finden, die Schüler und Eltern zufriedenstellt. Aber wir müssen auch die Haushaltslage im Blick behalten", erklärt er. Seine Empfehlung an die Betroffenen: "Die Busse fahren morgens etwa alle zehn Minuten ab. Es gäbe die Option, einen Bus früher zu nehmen, um ein Zuspätkommen zu vermeiden." Eine zufriedenstellende Lösung des Problems sei das nicht, könne aber zumindest kurzfristig Abhilfe schaffen.

Für Jan-Oles Mutter Eva Michael ist das ein eher unbefriedigender Ansatz: "Und bis die Ergebnisse der Fahrgastanalyse vorliegen, sind die meisten Kinder schon wieder auf das Fahrrad umgestiegen", vermutet sie.

Quelle: NGZ
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