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Kaarst
Chance für ersten Integrationsrat steigt

Kaarst: Chance für ersten Integrationsrat steigt
Bouchra El Maazi putzt derzeit viele Klinken. Wenn sie genügend Unterschriften zusammenbekommt, kann ein Integrationsrat gewählt werden. FOTO: L. Berns
Kaarst. Knapp 170 von 200 notwendigen Unterschriften hat Bouchra El Maazi bereits gesammelt. Die Wahl eines Integrationsrates könnte aus organisatorischen Gründen zeitgleich mit der Bürgermeisterwahl in 2015 stattfinden. Von Stefan Reinelt

Bouchra El Maazi hat für die Einrichtung eines Integrationsrats in den vergangenen Wochen viele Klinken geputzt, wie sie sagt. Sie suchte Volkshochschule, Kindergärten und Schulen auf, legte dort ihre Unterschriftenlisten aus. In Ute Walter vom Ökumenischen Arbeitskreis Asyl fand sie eine wichtige Unterstützerin mit vielen Kontakten. Knapp 170 Unterschriften liegen ihr bereits vor, die letzten Listen möchte sie bis zu den Sommerferien einsammeln. Die Aussichten, damit auf die notwendigen 200 Unterzeichner zu kommen, sind gut. Eintragen dürfen sich volljährige Kaarster Einwohner mit ausländischer Staatsangehörigkeit oder durch Einbürgerung den deutschen Pass erhalten haben. Sie sind es schließlich auch, die den Integrationsrat wählen dürfen.

Leben in einer Gemeinde mindestens 5000 Ausländer, ist die Einrichtung eines Integrationsrats gesetzlich vorgeschrieben; ab 2000 müssen mindestens 200 Unterschriften vorgelegt werden. In Kaarst sind rund 4000 Migranten gemeldet. "Sie sind nicht integriert, sondern gehen in Kaarst unter. Sie geben ihre Identität auf, um nicht aufzufallen", sagt Bouchra El Maazi. Drastische Worte. Der dreifachen Mutter fehlen die Anlaufstellen für Ausländer. "Es gibt weder interkulturelle Vereine noch Wohlfahrtsverbände wie Caritas oder Diakonie vor Ort. Darum haben viele ihren Lebensmittelpunkt in Nachbarstädte verlagert", erklärt sie. Die 35 Jahre alte Deutschen mit marokkanischen Wurzeln spricht aus Erfahrung. Sie engagiert sich in Neuss im Projekt "Integrationslotsen", sitzt als deren Sprecherin als beratendes Mitglied im Integrationsrat der Stadt.

Bekommt Bouchra El Maazi die 200 Unterschriften zusammen, legt sie diese Bürgermeister Franz-Josef Moormann zur Prüfung vor. Eine Wahl des Integrationsrats wäre aus ihrer Sicht noch in diesem Jahr möglich.

Wahrscheinlicher ist aus organisatorischen Gründen wohl ein zeitgleicher Termin mit der Wahl zum Bürgermeister in 2015. Kandidieren dürfte jeder Kaarster, auch ohne jeglichen Migrationshintergrund, als Einzelkandidat oder auf einer Liste. Diese bilden sich in der Regel aus Vereinen, bestimmten Gruppierungen oder auch aus Parteien heraus. Die Themen des Gremiums finden sich im gesamten gesellschaftlichen Leben wieder.

"Mein persönliches, vorrangiges Ziel ist immer die Bildung, etwa die Förderung der Zweisprachigkeit in der Schule", so El Maazi. Ebenso könnten Sport, Jugend oder Soziales Berücksichtigung finden. "All das hängt auch von der personellen Zusammensetzung des Integrationsrats ab", sagt sie. Entsprechend dürfte das Gremium auch Vertreter in die städtischen Ausschüsse schicken. Darüber entscheidet der Stadtrat. Die Kaarster Parteien haben vor der Kommunalwahl Ende Mai ihr Wohlwollen gegenüber der Initiative von Bouchra El Maazi geäußert. Die Vorsterin hat jetzt noch einmal alle angeschrieben. Das Fünfer-Bündnis im Stadtrat aus SPD, Grüne, FDP, Zentrum und UWG hat sich in seinem 20-Punkte-Plan zur Integrationsarbeit geäußert: "Die Partizipation in Form eines Integrationsrats - sofern sich genügend Unterstützer finden - wird begrüßt", heißt es darin.

Quelle: NGZ
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