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Kaarst
Chor-Konzert mit großer geistlicher Romantik

Kaarst. Am Wochenende hat der Chor der Stadt Kaarst zusammen mit dem Madrigalchor Kaarst bei einem eindrucksvollen Konzert in der Pfarrkirche Siebens Schmerzen Mariens zweifellos dafür gesorgt, dass die Fangemeinde Rheinbergerscher Chormusik deutlich gewachsen ist. Von Hansgeorg Marzinkowski

Jahrzehntelang wurde der 1901 in München gestorbene Komponist Josef Gabriel Rheinberger von der Musikwissenschaft als "konservativ-akademisch" ignoriert. Das hat sich gründlich geändert. Aus seinen umfangreichen Werken ragen die 20 Orgelsonaten und seine Chorwerke heraus. Vor allem seine "Messe in Es-Dur" für zwei vierstimmige Chöre a cappella, seine einzige doppelchörige Messe (von 1878), wird als schönste reine Vokalmesse des 19. Jahrhunderts gewürdigt.

Diesen Eindruck bestätigten bereits im "Kyrie" in fein verhaltenem Dialog zwischen dem Chor der Stadt Kaarst und dem Madrigalchor unter Leitung von Hans-Michael Dücker die mehr als 50 Sänger in bemerkenswerter Klangtiefe. Gleich starke Soprane ließen das prachtvolle "Gloria" leuchten, alle Stimmen zeichneten sich bis zum Ende der Messe durch hohe Intonationssicherheit aus. Dass nach klarer Bass-Intonation der "Credo"-Einsatz nicht ganz präsent war, durfte schon mal passieren.

Ebenfalls zu den Meisterwerken des 19. Jahrhunderts zählt die "Missa sacra in c-Moll", die Robert Schumann 1852 in seiner keineswegs nur glücklichen Zeit als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf schrieb. In Holzbüttgen kam die Orgelfassung zur Aufführung.

In ihrem Mittelpunkt steht nach fast sphärischem "Kyrie", einem expressiven "Gloria" mit strahlend glänzendem Eingangschor und einem auch bei allem harmonischen Reichtum eher runtergeschriebenen "Credo" das umfangreiche "Sanctus", dem die beiden Ensembles nun als Gemeinschaftschor ein prächtig schwungvolles "Hosanna" anschlossen. Ungewöhnlich endete das "Benedictus" mit einer großen virtuosen "Amen"-Fuge. An der Orgel saß Professor Stefan Palm, der auf der relativ kleinen Hartwig Späth-Orgel außerordentlich geschmackvoll zur Begleitung der Chöre disponierte. Er hatte als Kontrastprogramm zwischen beiden Chorwerken Johann Sebastian Bachs "Präludium und Fuge a-Moll" (BWV 543) makellos auch bei extrem schnell intonierter Fuge gespielt. Der starke Beifall des Publikums hätte eine Zugabe verdient: vielleicht Rheinbergers "Abendlied".

Quelle: NGZ
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