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Kaarst
Comedy in Kaarst - mal sinnfrei, mal nachdenklich

Kaarst. Knacki Deuser und das Springmaus Improvisationstheater begeisterte im ausverkauften Albert-Einstein-Forum. Von Rudolf Barnholt

Das vergangene Wochenende war für Freunde intelligenter Comedy ein Fest. Am Freitag kam Knacki Deuser - er hatte als Special Guest Vera Deckers mitgebracht. Am Sonntag dann bewährtes Improvisationstheater von der "Springmaus" im ausverkauften Albert-Einstein-Forum.

"Wenn jemand Spaß haben will, ist das legitim." Knacki Deuser weiß, dass Humor keine Kernkompetenz der Deutschen ist. Der Tausendsassa wirkt mitunter fast schon nachdenklich. Seine Botschaft im aktuellen Programm "Seltsames Verhalten": Etwas mehr Humor wäre durchaus angebracht.

Als Repräsentant einer Spaßgesellschaft sieht er sich dagegen nicht: "Ohne Arbeit geht's nicht - so deutsch bin ich auch." Aber nach Arbeit riecht sein Auftritt auch nicht - dafür macht ihm sein Job auf den Kleinkunstbühnen viel zu viel Spaß. Aber ihm fällt immer wieder auf, das die Menschen Probleme haben mit einem wie ihm. "Warum machen Sie das", werde er immer gefragt. Oder "Sind Sie nicht ein bisschen dünn für einen Comedian?"

Herrlich, wie er die Kommunikation pubertierender Jungs parodiert, sie besteht mehr aus Geräuschen als aus Worten. Sollte Cannabis in Deutschland legalisiert werden? Knacki Deuser kann sich sogar das Berufsbild des "Betäubungsmittelkaufmanns" vorstellen. Er selbst wirkt alles andere als ein Betäubungsmittel - aber nicht nur er begeisterte sein Publikum.

Vera Deckers kommt als Eisbrecherin sehr gut an. Die Psychologin ist ebenso wie Deuser Akademikerin. Sie nimmt den Zeitgeist ins Visier, amüsiert sich über Szene-Frauen mit Handtäschchen so groß, dass dort gerade mal ein TicTac Platz findet, spricht mit Blick auf Facebook ironisch von "tausend meiner engsten Freunde" und macht sich über das ausufernde Posten lustig: Auf die Ankündigung im Netz, gleich in die Badewanne zu gehen, gingen 50 Kommentare ein. Einer davon: "Schwimm nicht so weit raus."

Fast noch sinnfreier, aber ebenfalls enorm lustig: die Springmaus. Die Improvisationsprofis aus Bonn wecken zu Beginn des Programms "Helden gesucht" ungute Gefühle bei den Besuchern - Gefühle, die viele mit ihrer Schulzeit assoziieren dürften. Auf der Bühne stehen fünf freie Stühle, Gilly Alfeo spricht die Erwartung aus, dass sie von Freiwilligen aus dem Publikum besetzt werden. Nach einer gefühlten kleinen Ewigkeit traut sich Bankkauffrau Susanne aus Neuss als Erste auf die Bühne, es folgen Schuhdesigner Gregor aus Schwalmtal, die Sparkassenangestellte Mechthild aus Kaarst, Michaela aus Neuss - sie arbeitet in der Verwaltung des Landtags - sowie Tagesvater Jörg aus Büttgen.

Sie alle gaben Persönliches von sich preis, was Gilly Alfeo, der Mann, der bei der Springmaus vor allem für die Musik zuständig ist, Vera Passy, der recht kleine Alexis Kara sowie Norbert Frieling dann zu Sketchen verarbeiteten.

Was dabei herauskommt, ist herrlich sinnfrei, urkomisch und auf jeden Fall zum Lachen. Kara hat unter anderem die Aufgabe, das "vegetabile Gerben von Leder" in Gebärdensprache darzustellen. Frieling mimt den Mann, den Mechthild einst am Arbeitsplatz kennengelernt hat, und was Jörg so umtreibt, wird in einem improvisierten Musical verarbeitet.

Quelle: NGZ
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