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Kaarst
Damit Karies ein Fremdwort bleibt

Kaarst. Expertin erklärt Flüchtlingskindern, worauf es beim Zähneputzen ankommt. Von Elisabeth Keldenich

Enisa (2) und ihr Bruder Ebubecir (4) verfolgen neugierig die Erklärungen von Ulrike Geissel, Prophylaxefachkraft des Gesundheitsamts. Anhand eines riesigen Gebissmodells zeigt sie, wie die Kauflächen der Zähne richtig gereinigt werden. Strahlend nehmen die Kinder eine neue Zahnbürste und Becher in Empfang und putzen eifrig vor einem der fünf kleinen Waschbecken ihre Zähne. "Mein Sohn hat schlechte Zähne, er isst zu viele Süßigkeiten", erklärt Mutter Hajorive Temucrofska, die die Aktion beobachtet. Weitere Kinder mit Fluchthintergrund drängeln sich hinein. Zähneputzen im Bus kommt an diesem Nachmittag vor dem Übergangswohnheim Am Bauhof sehr gut an.

"Der Bus ist ein schönes Angebot des Rhein-Kreis Neuss", sagt Ute Walter vom Ökumenischen Arbeitskreis Asyl. Zum zweiten Mal führt der Sozialbereich der Stadt Kaarst diese Zahnprophylaxe durch. Gab es im vergangenen Jahr im Wohnheim an der vom-Stein-Straße noch ausreichend Badezimmer, so kommt jetzt der Bus zum Einsatz, da das Wohnheim Am Bauhof nur über Einzelwohnungen mit privaten Badezimmern verfügt.

"Eingeladen wurden Familien mit insgesamt 70 Kindern im Alter von einem bis dreizehn Jahren", erzählt Susanne Enkel von der psychosozialen Betreuung für Flüchtlinge. "Wir haben gute Erfahrungen mit der letzten Prophylaxeaktion gemacht, es gibt weniger Süßes für die Kinder, denn die Familien sind entspannter geworden", erklärt sie. Trotzdem sagt Zahnärztin Claudia Schütz vom Gesundheitsamt: "Die Kinder aus Flüchtlingsfamilien haben überdurchschnittlich schlechte Zähne!" Damit sich das ändert, setzt Susanne Enkel auf die Jüngsten. "Durch den Besuch von Schule und Kindergarten beherrschen sie die deutsche Sprache besser als die Eltern. Sie verstehen unser Anliegen, setzen es hoffentlich gut um und vermitteln es weiter. Von daher investieren wir ganz bewusst in die Kinder", erklärt die Flüchtlingsbetreuerin. Sie hat dafür gesorgt, dass in allen Kitas und Unterkünften laminierte Flyer in Bildersprache zum richtigen Umgang mit Bürste und Zahnpasta ausliegen.

Aber auch Ernährungstipps finden sich darin: besser Obst, Gemüse und Wasser statt Süßem und gezuckerten Getränken. Nach der Prophylaxeaktion werden alle Bäder des Wohnheims mit Bürsten, Bechern und mit auf Augenhöhe der Kinder aufgeklebten Sanduhren ausgestattet. In ein bis zwei Wochen möchte Enkel nachschauen, wie das Zähneputzen klappt.

Quelle: NGZ
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