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Kaarst
Der "Ikea-Freizeitpark" kommt

Kaarst: Der "Ikea-Freizeitpark" kommt
Kaarst. Die Politik hat das überarbeitete Konzept für das neue Möbelhaus durchgewunken. Anfang November soll der Bauantrag eingehen. Von Julia Hagenacker und Rudolf Barnholt

Es soll ein nachhaltiges schwedisches Möbelhaus werden - das nachhaltigste, das nicht nur Kaarst, sondern ganz Deutschland, ja womöglich sogar die Welt je gesehen hat. Die drei Säulen, auf dem der Ikea-"More Sustainable Store" basiert, heißen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Gleichzeitig soll das Grundkonzept, also die Ikea-Idee, dabei nicht verändert werden. Unter dieser Prämisse wird seit mehr als zwei Jahren geplant.

Ein bereits im Juni vorgelegtes erstes Konzept fiel bei Ikea im internen Genehmigungsverfahren durch und musste an einigen Punkten nachgebessert werden. Jetzt liegt sie vor, die endgültige Version. Niederlassungsleiter Detlef Boje trat im Planungsausschuss mit entwaffnender Ehrlichkeit auf: "Optimieren heißt auch, Kosten zu optimieren", sagte er. Trotzdem sind sich alle einig. Das, was Ikea nun tatsächlich realisieren will, entspricht im Kern dem, was versprochen wurde: Ein einzigartiges Testhaus, das das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich betrachtet und in allen Bereichen optimiert; mit begehbarem, begrüntem Dach, Tageslicht im Ausstellungsbereich, einem neu eröffneten "Café Buxbaum" und freizeitparkähnlichen Grill-, Spiel- und Sportmöglichkeiten.

Wie in einer Art Baukastenprinzip sollen einzelne Elemente des "Sustainable Store" künftig auf neue Ikea-Einrichtungshäuser übertragen werden, also über die Grenzen von Kaarst und Deutschland hinaus. Die Technische Beigeordnete Sigrid Burkhart geht davon aus, dass Anfang November der Bauantrag eingeht. Dass nach jahrelangem Ringen jetzt endlich alles in "trockene Tücher" kommt, machte die Planungsausschusssitzung am Mittwochabend zu einer ganz besonderen Veranstaltung mit fast schon historischem Charakter

Die wesentlichste Planänderung, die jetzt kurzfristig von Ikea angestrebt wurde, betrifft den Technikbereich. Er sollte eigentlich unterirdisch untergebracht werden, unter der geplanten Plaza. Jetzt hat sich das Unternehmen entschieden, auf diese vergleichsweise kostspielige Lösung zu verzichten und ein 1000 Quadratmeter großes Technikgebäude zu errichten.

Dort wird auch Platz für die Löschwasservorräte sein. "Dadurch kommt es zu einer Reduzierung der Randbegrünung. Allerdings liegt das, was wir an Begrünung machen, immer noch über dem, was der Bebauungsplan fordert", erklärte Detlef Boje. Das neue Technikgebäude wird 5,45 Meter hoch sein - 60 Zentimeter werden im Boden "versteckt", es ragt also 4,95 Meter hervor. Durch Erdmodellierungen wird es weniger mächtig wirken, als es tatsächlich ist. Eine weitere Änderung: Das Parkdeck wird jetzt doch nicht in vollem Umfang überdacht. Und: Die Zahl der sogenannten Sheddächer ("Sägezahndächer") über den SB-Hallen wird halbiert. Dadurch, dass eine Seite der Dächer mit Photovoltaikanlagen ausgestattet wird, hat diese Reduzierung einen Rückgang der Erzeugung von erneuerbaren Energien von sieben Prozent zur Folge. Auch die geplanten Windräder fallen dem Rotstift zum Opfer. Für Detlef Boje ist das aber nicht dramatisch: "Sie waren eher als Sinnbild für das Nachhaltigkeitskonzept gedacht."

Die Beleuchtung des Vorzeigeprojekts soll sowohl innen als auch außen ausschließlich über LED-Leuchten realisiert werden. Insgesamt wird Ikea gut 1200 Parkplätze schaffen. Zunächst waren mehr als 1700 vorgesehen. Zur Frage, zu welchen Einsparungen bei den Baukosten diese Sparmaßnahmen führen, machte Boje keine Angaben. "Die Änderungen sind wenig gravierend, es muss nicht zu einer Neubewertung kommen", erklärte dafür Lars Christoph (CDU). Das sahen die übrigen Fraktionen genauso - es sollte keinerlei Kritik am Ende eines langen Planungsprozesses geben. Vorausgegangen war ein 15 Jahre währendes politisches Drama, das im Oktober vergangenen Jahres sein doch noch glückliches Ende fand. Auf der Internationalen Gewerbe-Immobilienmesse Expo Real in München unterzeichneten der Rhein-Kreis Neuss, die Stadt Kaarst und Ikea den Erschließungsvertrag für den Bau der neuen Brücke über den Nordkanal und die Erschließungsstraße ins Gewerbegebiet "Kaarster Kreuz" (K 37n) - dem neuen Ikea-Standort. Seit März dieses Jahres rollen die Bagger.

Der Vertrag für den Bau der Erschließungsstraße wurde nötig, weil sich das Land 2013 aus der Finanzierung verabschiedet hatte. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 15 Millionen Euro. Straßenbaulastträger ist der Kreis. Kreis, Stadt und Ikea haben als Vertragspartner jeweils ein Drittel des Anteils, den das Land eigentlich beisteuern sollte, übernommen.

Quelle: NGZ
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