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Kaarst
Deutschlands beliebtester Choleriker

Kaarst. Gernot Hassknecht sorgte bei seinem Auftritt im AEF für beste Unterhaltung. Von Bärbel Broer

Vor ihm ist nichts und niemand sicher: Wenn Deutschlands wohl bekanntester Choleriker Gernot Hassknecht verspricht, "jetzt wird's persönlich", dann geht es zur Sache. Im nicht ausverkauften Albert-Einstein-Forum erlebten die Zuschauer einen sowohl wütenden, lautstarken, sarkastischen, als auch nachdenklichen und humorvollen Hassknecht, der durch die "Heute Show" berühmt geworden ist.

Vor allem Politiker bekommen bei Hans-Joachim Heist, wie der 68-jährige Schauspieler mit bürgerlichem Namen heißt, ihr Fett weg. Insbesondere jene, die nach Ansicht Hassknechts "auf dem normalen Arbeitsmarkt nicht zu vermitteln gewesen wären". Aktuell amtierende wie Markus Söder, Alexander Dobrindt, Ursula von der Leyen, Hermann Gröhe und ganz besonders CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer - von Hassknecht als "Toy-Boy" tituliert - werden von ihm ebenso genüsslich vorgeführt und wortreich seziert wie die "einstigen Klassensprecher", Ex-Wirtschaftsminister Philip Rößler und Ex-Familienministerin Christina Schröder.

Natürlich kommen auch Trump, Erdogan, Putin und Le Pen nicht ungeschoren davon. Politiker, die den kleinen Wüterich so richtig zornig machen. "Und was machen wir? Wir haben Angst vor Gluten." Schon ist er beim nächsten Aufreger-Thema: Essen, das zur Religion geworden ist. Darüber kann sich der aus Pfungstadt stammende Künstler ebenso echauffieren wie über G8, marode Autobahnbrücken und das "postfaktische Zeitalter". Totaler Quatsch sei das. "Das Zeitalter nach Fakten ist Demenz", setzt er dem Begriff entgegen.

Richtig Stimmung kommt auf, als Hassknecht mit seinem Publikum ein Zitate-Raten "Höcke oder Hitler" spielt: Der Comedian liefert die Zitate, die Zuschauer rufen ihre Vermutungen zu. Oft liegen sie richtig, bei einigen Fehleinschätzungen gibt es ungläubiges Staunen. Genau, wie wenn man Jugendlichen heute erzähle, dass es 1980 noch fünf Prozent Zinsen auf einem Sparbuch gab. "Die liefern sie sofort ins Heim ein. Aber das waren ja auch noch Zeiten, als man drinnen rauchen durfte", sagte er und zündete sich eine Zigarre an. Wie er versprochen hat: "Jetzt wird's persönlich".

Quelle: NGZ
 
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