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Kaarst
Die Geschichte der Kaarster Straßen

Kaarst: Die Geschichte der Kaarster Straßen
Hobby-Historiker Heinz Hüsen liefert viele Informationen. FOTO: NGZ-Foto (2)ati
Kaarst. Die Erkenntnisse der Archivare über die historische Bedeutung der Straßen fließt in ein Internet-Projekt ein, das ab sofort eingesehen werden kann. Es soll aber noch weiterwachsen. Von Bärbel Broer

529 Straßen gibt es in Kaarst. Jede einzelne - ob in Büttgen, Vorst, Holzbüttgen, Driesch oder Kaarst -hat ihre Geschichte, etliche darunter mit langlebiger und bewegter Historie. Zahlreiche Städte und Gemeinden erfassen bereits die Geschichte ihrer örtlichen Straßennamen. "Die meisten veröffentlichen ihre Ergebnisse in Buchform", so Dieter Güsgen, der unter anderem für den Bereich Stadtmarketing und Medien bei der Stadt Kaarst verantwortlich ist und das Projekt auch dem Etat für neue Medien finanziert. "Uns war das zu statisch. Wir haben daher ein Internet-Projekt auf den Weg gebracht." Die Seite "Geschichte in Straßen: Kaarst" ist ab sofort freigeschaltet - auch von der Homepage der Stadt gelangt man darauf.

Denn 60 Straßen sind bereits erfasst. Zu verdanken ist dies vor allem dem "Arbeitskreis Stadtgeschichte". Die ehrenamtlichen Rechercheure hatten bereits 2006 wichtige Grundlagenforschung geleistet, die zur Veröffentlichung der drei Bildbände "Geschichte in Bildern" geführt hatte und nun auch das neue Internet-Projekt befördert. Dieses behandelt die Kaarster Stadtgeschichte, die sich auf Schritt und Tritt nicht zuletzt auch an den Straßennamen ablesen lässt. So wird auch erklärt, warum die Alte Heerstraße in Büttgen in Römerstraße umgewandelt wurde: Weil der Name nach der Kommunalen Neugliederung in Kaarst zweimal vorgekommen wäre.

"Wir greifen dabei vor allem auf die Erkenntnisse der Archivare zurück", sagt Marianne Michels, Mitglied im Arbeitskreis, der sich vor allem mit Kaarst befasst. Denn die 15 Mitglieder haben sich - je nach Wohnort - aufgeteilt bei ihrer Forschung. Geleitet wird der Arbeitskreis von Stadtarchivar Peter Brinkmann. "Bis alles abgeglichen ist, ist das ein langwieriger Prozess", so Michels und fügt bestimmt hinzu: "Mal eben so Wikipedia nachlesen, geht nicht, wird nicht akzeptiert." Belastbar sollen sie sein - die akribischen Ergebnisse des Arbeitskreises.

Dieser wertet nicht nur Geburts- und Sterbeurkunden sowie Ratsprotokolle aus, sondern auch alte Schriften, die im Stadtarchiv lagern. Vor allem die Kenntnisse von Hans Hüsen, ebenfalls ehrenamtliches Mitglied im Arbeitskreis, sind für die Hobby-Historiker von großem Nutzen. Der 86-jährige Kaarster weiß nicht nur sehr genau, was, wann, wo passiert ist. Er kann auch alte Schriften lesen. Zudem ist er mit neuer Technik vertraut. So hat er beispielsweise ein altes Wegekreuz an der Alten Heerstraße fotografiert und mit moderner Technik so vergrößert, dass sogar Inschriften zu entziffern waren. Vieles ist jetzt bereits nachzulesen auf der Internetseite, die der Medienfachmann Frank Ahlert, der seit vielen Jahren die Arbeit des Kaarster Archivs unterstützt, erstellt hat. "Aber nicht dröge beschrieben, sondern mit Bildern anschaulich dargestellt. Wir planen auch, demnächst Filme einzustellen", so Ahlert. Es gebe noch so manche alten Super-8-Schätze, die eine Digitalisierung wert seien.

"Das ist der große Vorteil an diesem Internetprojekt", sagt Güsgen. "Im Gegensatz zu einem Buch ist es nicht statisch, sondern kann wachsen und gegebenenfalls auch korrigiert werden." Bereits jetzt könne jeder, der mit seinem Smartphone in Kaarst unterwegs sei, mal eben schnell einige Infos zu den bereits erfassten Straßennamen nachlesen.

Zudem gibt es ein Glossar auf der Seite, in dem so ungewöhnliche Begriffe wie Beginenkonvent, Dingstuhl, Hagelfeier oder Kurmud erklärt werden. Wer jetzt auf die Erklärungen neugierig geworden ist, unter www.kaarst.geschichte-in-strassen.de lässt es sich nachlesen.

Quelle: NGZ
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