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Kaarst
Ein Autor, dem nichts mehr einfällt

Kaarst. Kabarettist Frank Goosen las aus seinem neuen Buch "Förster, mein Förster" Von Rudolf Barnholt

Ein Schriftsteller, dem nichts mehr einfällt - ein Albtraum. In Frank Goosens neuem Roman spielt er die Hauptrolle. "Förster, mein Förster" heißt das Buch, das der Bochumer Autor im Albert-Einstein-Forum vorstellte. Er zeichnet mit Worten sehr detailreiche Bilder von Menschen, die bei aller Unterschiedlichkeit etwas gemeinsam haben: Jeder hat seine Probleme. Vielleicht wirkt die Geschichte deshalb so menschlich und sympathisch.

Goosen las und kommentierte, und es durfte immer wieder gelacht werden. "Aber wem sage ich das hier in der Universitätsstadt Kaarst", fügte er einer Erläuterung hinzu. Oder: "Ich spüre einen gewissen Leidensdruck im Publikum - ich kann gleich nach Hause fahren", gab Goosen zu verstehen - er meinte die Flugzeuge, die scheinbar im Tiefflug über das Einstein-Forum flogen. Später, nach weiteren Überflügen, fügte er hinzu: "Dass Sie hier überhaupt noch leben wollen." Diese Spontaneität machte deutlich, dass Goosen auch ein hervorragender Kabarettist ist.

Doch zurück zu den Protagonisten seines Buches: "Alle um mich herum werden immer schlauer und ich werde immer dümmer" - so kann man die Paranoia des Autors Förster auf den Punkt bringen. Die lakonische Sprache, mit der Goosen dieses wenig befriedigende Leben beschreibt, wird immer wieder von Humorblitzen aufgehellt. So entscheidet der missmutige Förster, die leere Bierflasche nicht von der Brücke zu werfen, "weil da noch Pfand drauf ist". Rührend, wie er einen herrenlosen Hamster aufgabelt. "Die Hand war für den Kleinen wie eine Anderthalb-Zimmer-Wohnung und ich hoffte, dass das Klo auf dem Flur war": So beschreibt Goosen die Furcht, das Tier könne sein "Geschäft" in Försters Hand machen.

Er machte Appetit auf mehr, vor allem auf sein Buch, auf Leute wie den immer noch drahtigen Nachbarn, Försters Freundin Monika, dessen "Ex" Martina, die etwas seltsamen Freunde Tillmann Brock und Frank Dahlbusch. Ganz nebenbei ist "Förster, mein Förster" mit vielen Lebensweisheiten angereichert, fast schon psychologisch angehaucht, gewürzt mit rauem Ruhrgebiets-Charme - und es scheint sich gut und leicht zu lesen. Frank Goosens Gedanken zu einem Autor, dem nichts mehr einfällt, tragen ganz sicher keine autobiografischen Züge.

Quelle: NGZ
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