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Kaarst
Ein Boden aus Kaarst in Neuschwanstein

Kaarst: Ein Boden aus Kaarst in Neuschwanstein
Der Vinylboden aus dem Thronsaal im Schloss Neuschwanstein liegt auch bei Geschäftsführer Timo Michalik in der Kaarster Unternehmenszentrale. FOTO: Fotoboden/Woi
Kaarst. Im Thronsaal des südbayerischen König-Ludwig-Schlosses Neuschwanstein liegt ein PVC-Boden, der das kostbare Original schützen soll. Die Idee und Produktion des speziellen Bodens stammt von einem Kaarster Unternehmen. Von Carolin Skiba

Am Ende von Schloss Neuschwanstein erwartet den Besucher als krönender Abschluss der Thronsaal. Betritt er ihn, fällt der Blick auf den aufwendig gearbeiteten Fußboden aus unzähligen Mosaikteilchen. Und doch ist es nicht das Original, auf dem in den vergangenen drei Jahren rund 4,5 Millionen Besucher standen. Es ist ein Schutzboden, gefertigt von dem Kaarster Unternehmen Fotoboden.

Dank des einzigartigen Vinylbodens, den Geschäftsführer Timo Michalik vor rund fünf Jahren auf den Markt brachte, wird das kostbare Original vor den Abnutzungsspuren geschützt, die 1,5 Millionen Besucher pro Jahr verursachen. Bei dem Schutzbelag handelt es sich zwar um PVC, allerdings nicht um handelsüblichen, wie man ihn aus zahlreichen Haushalten kennt.

Entstanden ist die Idee, auf die Michalik europaweit das Patent hält, aus einer ganz anderen Geschichte. Der 43-Jährige war auf der Suche nach einem individuell bedruckbaren Boden für einen Messestand. "Messeböden sind die größte unbenutzte Fläche. Wir wollten sie als Werbefläche nutzen", sagt er. Doch die Möglichkeiten waren begrenzt. "Teppichböden bringen einen hohen Reinigungsaufwand mit sich, Bodenaufkleber kamen ebenfalls nicht in Frage, weil sie zu teuer und für solch eine große Fläche zu schwierig aufzubringen sind." Michalik kam die Idee, einen PVC-Boden zu nutzen. Das Material ist unempfindlich, leicht zu reinigen und unkompliziert aufzubringen. Doch Tests zeigten, dass keiner der gängigen PVC-Böden belastbar genug war in Hinsicht auf Rutschfestigkeit oder Brandschutz. Erst recht nicht, wenn der Boden per Digitaldruck mit dem gewünschten Motiv versehen war. Herkömmliche Böden werden per Tiefdruck bedruckt, der aber nicht fotorealistisch ist. Also musste ein neues Material geschaffen werden, das all diese Eigenschaften mit sich bringt. Gemeinsam mit einem PVC-Hersteller tüftelte der Unternehmer anderthalb Jahre lang, bis er den richtigen Mix gefunden hatte.

Geboren war der Fotoboden, der nun bereits seit drei Jahren im Schloss Neuschwanstein liegt und Ende vergangenen Jahres erstmals ausgewechselt wurde - 4,5 Millionen Besucher hinterlassen eben auch auf einem Schutzboden Spuren. "In Form einer Werbefläche halten unsere Böden etwa drei Monate", sagt Michalik. Dass der Belag in Neuschwanstein rund drei Jahre hielt, liegt daran, dass die Besucher dank sauberer Schuhe kaum abriebrelevante Faktoren wie Steinchen in den Thronsaal brachten.

Ein zusätzliches Argument für den Fotoboden, ist, dass er zu 100 Prozent recycelt wird. Michalik: "Es ist ein geschlossener Kreislauf, der Boden wird zu Granulat verarbeitet, das dann wieder zu neuen Böden wird." Was für ein Motiv der Boden haben soll, entscheidet der Kunde - möglich ist alles. Von Wald und Wiese über Sand oder eben Mosaiksteinchen. Der Boden im bayerischen Schloss war aber nicht nur wegen des Bauwerks drumherum ein besonderes Projekt. Es war der erste Boden, der anhand von Fotografien gefertigt wurde. Die Böden, die Michalik sonst herstellt, entstehen aus Grafiken, die entweder von seinem Designteam oder von den auftraggebenden Unternehmen selbst stammen.

Mittlerweile haben Michalik und seine 13 Mitarbeiter über 5000 Projekte umgesetzt - von Theaterbühnen über TV-Shows, Museen und Messeständen bis zum Einzelhandel. Sogar die Umkleidekabinen des Fußballvereins Real Madrid sind mit Fotoböden ausgestattet. "Das waren schon tolle Projekte für ein kleines Unternehmen wie uns", sagt Michalik. Wer weiß, was als nächstes kommt, Neuschwanstein jedenfalls hat schon angekündigt, auch weitere Böden des Hauses mit fotorealistischen Vinylböden "made in Kaarst" ausstatten zu wollen.

Quelle: NGZ
 
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