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Kaarst
Ein Kaarster als Botschafter in New York

Kaarst: Ein Kaarster als Botschafter in New York
Heiko Thoms während einer Debatte im UN-Sicherheitsrat. Der Diplomat wuchs in Kaarst auf, machte am Albert-Einstein-Gymnasium das Abitur. FOTO: Botschaft
Kaarst. Täglich begegnet er den Mächtigen der Welt: Heiko Thoms aus Kaarst ist seit 2013 Stellvertretender Ständiger Vertreter Deutschlands bei den Vereinten Nationen in New York. Zu seiner Heimatstadt unterhält er bis heute regelmäßig Kontakt. Von Susanne Niemöhlmann

York Vom Nordkanal an den East River - seit drei Jahren lebt der Kaarster Heiko Thoms in seiner Traumstadt New York. Seinen Traumberuf hat der Jurist schon länger gefunden: Seit 1999 ist er als Diplomat im Auswärtigen Dienst tätig, kam über die deutschen Botschaften in Kairo und Teheran und das Büro des damaligen Außenministers Guido Westerwelle schließlich nach New York. Dort ist der 48-Jährige seit 2013 Stellvertretender Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen. Am frühen Morgen Lauftraining im Central Park, nachmittags Treffen mit UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon - in seiner Position lernt Heiko Thoms zahlreiche einflussreiche und mächtige Menschen kennen. Dennoch gelingt es ihm, sich regelmäßig Zeit für einen Besuch in Kaarst zu nehmen, wo bis heute die Eltern leben. Vermisst er etwas aus der "alten Heimat"? "Deutschen Spargel, gerade in diesen Tagen", lautet die Antwort, "und Erdbeeren vom Niederrhein".

Interessante Menschen aus aller Welt kennenzulernen, ist für Thoms einer der reizvollsten Aspekte am Diplomatenberuf. "Ein Höhepunkt meiner Zeit in New York war sicher die engagierte Rede von Papst Franziskus vor der Vollversammlung", sagt er. Über das gemeinsame Engagement gegen moderne Sklaverei habe er die Menschenrechtsaktivistin Kerry Kennedy, Tochter von Robert F., und Oscar-Preisträgerin Mira Sorvino kennengelernt.

New York - das sei nicht nur ein Ort, sondern ein Lebensgefühl, schwärmt der Jazzfan, der mit der erfolgreichen Anwältin Anahita Thoms verheiratet ist. "Wir fühlen uns hier als Familie sehr wohl." Die im Oktober in Manhattan geborene Tochter sei waschechte New Yorkerin, für den fünfjährigen Sohn Raphael sei der "Big Apple" Heimat. Wenn er auch oft frage, wann sie zu "Opa-Tommy" und "Oma-Ingrid" nach Kaarst fahren.

Wie kommt ein Kaarster nach Kairo, Brüssel und New York? "Es gibt kein Patentrezept für Karrieren im Diplomatischen Dienst. Doch sollten alle Angehörigen des Auswärtigen Amtes vor allem eines mitbringen: eine gesunde Portion Neugier - auf andere Länder, Kulturen und Sprachen, aber auch Neugier, sich selbst in der Fremde noch besser kennenzulernen", erzählt Heiko Thoms. Für ihn ist der Beruf des Diplomaten "nicht nur irgendein Job, er ist eine Lebensaufgabe". Er selbst hat sich schon immer sehr für die Welt interessiert - und wurde dabei früh von den Eltern unterstützt. Nach dem Abitur am Albert-Einstein-Gymnasium stand fest, dass er neben Jura ein zusätzliches Fach studieren würde, die Entscheidung fiel auf Islamwissenschaften und Arabistik. Ein Stipendium des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD) ermöglichte ihm ein Auslandsjahr in Kairo; in Tunis und der syrischen Hauptstadt Damaskus belegte er Sprachkurse - prägende Erfahrungen. So lag es nahe, dass er nach dem Eintritt in den Auswärtigen Dienst 1999 zunächst in der Region des Nahen und Mittleren Ostens tätig war. Aber: "Jeder Mitarbeiter muss grundsätzlich über die Eignung und die Bereitschaft verfügen, überall in der Welt zu arbeiten", stellt er klar.

Als Botschafter bei den Vereinten Nationen repräsentiert er Deutschland, muss die Position der Regierung zu sämtlichen Themen vertreten, gegenüber anderen Mitgliedsstaaten, aber auch Journalisten. Zusätzlich zu seiner regulären Tätigkeit hat Heiko Thoms aktuell das Amt des Vize-Präsidenten im Exekutivrat von UN Women inne, einer Unterorganisation der Vereinten Nationen, die sich weltweit für die Rechte von Frauen und Mädchen stark macht.

Respekt vor dem anderen - das sei eines der höchsten Gebote auf dem diplomatischen Parkett. "Das heißt aber nicht, dass knifflige oder unangenehme Themen ausgespart bleiben - ganz im Gegenteil", berichtet Thoms. In seinem Beruf gehe es "um die richtige Ausgewogenheit von Höflichkeit und Bestimmtheit. Ohne den richtigen ,Biss' können wir die Interessen unseres Landes und seiner Bürger nicht optimal vertreten." Sich selbst hin und wieder zurücknehmen? Ja. Sich zu verstellen, ist hingegen nicht angeraten. "Nichts wirkt unglaubwürdiger als aufgesetztes Verhalten. Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind neben respektvollem Umgang eine weitere Säule im diplomatischen Geschäft", sagt er. Und gibt dann zu, dass "man mit bestimmten Charakteren leichter zurecht kommt als mit anderen". "Dies darf jedoch im regelmäßigen Austausch kein Rolle spielen."

Oft werde einem erst fern der Heimat bewusst, wie sehr diese geprägt habe, findet Thoms. "Mir sind meine niederrheinischen Wurzeln sehr bewusst", sagt er, dankbar dafür, "dass ich mit der Pestalozzi-Grundschule und dem Albert-Einstein-Gymnasium zwei sehr gute Schulen besuchen durfte." Gerade wenn er dies mit New York vergleiche, wo es nur wenige gute öffentliche Schulen und zugleich zwar hervorragende, aber horrend teure private Schulen gebe, "können wir mit dem deutschen System immer noch sehr zufrieden sein". Das Motto "Leben und leben lassen" repräsentiere für ihn die rheinische Lebensart, "genau wie die Fähigkeit zum Kompromiss - für Diplomaten sicher eine ganz wichtige Eigenschaft."

Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: "Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass einige der besten deutschen Diplomaten Rheinländer sind."

Quelle: NGZ
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