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Kaarst
Ein Treffpunkt für nachhaltige Integration

Kaarst: Ein Treffpunkt für nachhaltige Integration
Auch das gehört zum Café International: Khaled Younis spielt auf seiner Sitar orientalische Klänge, kurdische Musik und Folklore. FOTO: Georg Salzburg
Kaarst. Seit zwei Jahren ist das "Café International" ein Ort der Begegnung. Inzwischen nehmen dort die Flüchtlinge vieles selbst in die Hand. Von Vera Straub-Roeben

Merfat Abu Rafe streicht sich das dicke, blond gefärbte Haar auf der Stirn. Ihre Augen leuchten verschmitzt, als sie ihrem Mann Nemer Sheem etwas zuflüstert. Dass das Ehepaar aus Syrien jemals wieder so fröhlich sein könnte, hätte es noch vor vier Jahren nicht zu hoffen gewagt. "Damals sind wir aus unserem Heimatland geflohen und irgendwann in Kaarst angekommen", erzählt Merfat Abu Rafe in schon ziemlich gutem Deutsch. In ihrer Heimat war sie Sprachtherapeutin für alte und behinderte Menschen, ihr Mann hat eine Grundschule geleitet. "Die deutsche Sprache, vor allem aber die Grammatik, fallen uns noch schwer", gesteht sie, die ihr ganzes Leben zurücklassen musste und in Kaarst eine neue Heimat gefunden hat, die ihr Freiheit und Sicherheit bietet. Und die Sprache wird ihr auch immer vertrauter, dafür sorgen die zahlreichen Kaarster, die sich für das Café und seine syrischen Besucher engagieren. Einer von ihnen ist Hanno Wilsch, Vorsitzender des Fördervereins der Volkshochschule (VHS).

Er hatte die Idee, diesen Treffpunkt unter dem Dach der VHS einzurichten. Der Verein beteiligt sich an den Kosten, stellt Kaffee, kalte Getränke, Kuchen und Gebäck. "Anfangs hatten wir zwei Studentinnen eingestellt, die sich um die Bewirtung gekümmert haben, aber dann haben wir neben Merfat und Nemer noch weitere Flüchtlinge gefunden, die das selbst in die Hand nehmen wollten - ehrenamtlich", so Welsch. "Das Café International ist nicht nur eine reine Anlaufstelle, um andere Menschen kennenzulernen, sondern auch, um Arbeit zu finden, ein Praktikum zu finden oder um zu erfahren, welche Schule besucht werden kann." Dabei werden sie mit Rat und teilweise auch mit Tat begleitet. Maha Gaida hilft dabei, die Sprachbarrieren zu durchbrechen. Sie kommt selbst aus Syrien und lebt seit 36 Jahren in Kaarst. Sie übersetzt, wo es nötig ist. An diesem Freitag hat das Café International einen besonderen Gast: Khaled Younis hat seine Sitar mitgebracht und spielt orientalische Klänge, kurdische Musik, Folklore. Klänge, die von Wehmut zeugen, von Sehnsucht erzählen, die Heimat beschreiben. Das lässt keinen kalt.

Merfat Abu Rafe reibt sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel, lehnt sich an ihren Mann. "Natürlich vermissen wir unsere Heimat. Aber wir sind dankbar, dass wir jetzt in Sicherheit leben können", sagt sie, als sie sich wieder gefangen hat. Und sie ist ein Gewinn fürs Café International: "Ich helfe gerne Menschen, die noch nicht so lange in Deutschland sind. Diese Bürokratie kann einen aber auch verzweifeln lassen. Wenn jemand mit Briefen, Anträgen oder Versicherungsfragen nicht zurecht kommt, versuche ich, ihn zu unterstützen." Und bald gibt es einen Grund zu weiterer Freude: "Meine Familie kommt nach Deutschland." Dann werden auch die Verwandten Gäste des Café International. Hanno Wilsch verspricht: "Wie gewohnt werden wir laufend Aktionen und Veranstaltungen anbieten, manches spontan, manches mit etwas VorlaEibuf. Wir haben zum Beispiel schon Ausstellungen von Büchern für Deutschlerner gemacht, Weihnachtssingen oder Kochabende. Wir sind sehr offen - eben ein Café."

Quelle: NGZ
 
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