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Kaarst
Einigkeit gibt es nur beim Konverter-Standort

Bürgermeister-Kandidaten diskutierten auf dem blauen NGZ-Sofa
Bürgermeister-Kandidaten diskutierten auf dem blauen NGZ-Sofa FOTO: Anja Tinter
Kaarst. Die Bürgermeister-Kandidaten Ulrike Nienhaus (CDU) und Christian Gaumitz (Grüne) diskutierten auf dem blauen NGZ-Sofa. Von Dagmar Fischbach

Die beiden Bürgermeister-Kandidaten auf dem blauen NGZ-Sofa: Im Saal von "Johnens Tenne" blieb nicht einmal ein Stehplatz frei. Dicht gedrängt verfolgten die Zuhörer die Debatte zwischen Ulrike Nienhaus (CDU) und dem Gemeinschafts-Kandidaten von SPD, Grünen, FDP, Zentrum und UWG, Christian Gaumitz. Beide wollen nach der Wahl am 13. September die Nachfolge von Bürgermeister Moormann antreten. Beim Sofa-Talk stellten sie sich mehr als zwei Stunden den Fragen von NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten und Redakteurin Julia Hagenacker. Debattiert wurde über Themen wie die Entwicklung von Innenstadt und Stadtteilen, Schulpolitik und den im sogenannten Dreiecksgebiet geplanten Stromkonverter.

Dieses Thema erhitzte die Gemüter. Mit der geplanten Änderung des Landesplanungsgesetzes und dem für die Durchsetzung der Konverterpläne notwendigen Zielabweichungsverfahrens mache die rot-grüne Landesregierung den Weg für den Standort Kaarst frei, sagte Ulrike Nienhaus und warf Christian Gaumitz vor, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Grünen-Landtagsfraktion tätig ist, vor: "Künftig soll es kein Einvernehmen der Kommunen mehr geben. Sie hätten die Kaarster warnen müssen." Gaumitz machte im Gegenzug den CDU-regierten Rhein-Kreis Neuss für die Konverter-Misere verantwortlich: "Der Landrat hätte das verhindern können. Der Auskiesungsantrag lag schon Monate vor. Aber erst beim Notartermin zum Verkauf des Geländes ist die Genehmigung erteilt worden." Einig waren sich beide aber darin, den von Amprion geplanten Stromkonverter nicht auf Kaarster Stadtgebiet zu wollen.

Unstrittig war auch, dass die Gestaltung der Kaarster Mitte eine zentrale Herausforderung der Stadtpolitik ist. "Wir müssen ein ganzheitliches Konzept entwickeln. Wir dürfen die Projekte nicht isoliert angehen und die Fehler der 1970er Jahre wiederholen", sagte Nienhaus mit Blick auf das Maubiscenter. Für die Innenstadt müsse eine zukunftsfähige Lösung entwickelt werden. Deshalb sei es wichtig, dass die Stadt im Besitz der Flächen bleibe und sich nicht an private Investoren verkaufe, sagte sie. Für Gaumitz ist die Beteiligung der Bürger am Gestaltungsprozess von großer Bedeutung: "Als Bürgermeister werde ich den Prozess aktiv moderieren und Ideen einbringen. Aber wir müssen Initiativen und Bürgerschaft in die Entscheidungen einbinden." Ähnliches gilt für das Einzelhandelskonzept Büttgen. "Bei der Planung des Ersatzes für den Kaiser's Markt müssen wir aus den Fehlern lernen, die am Berliner Platz gemacht wurden, und die Bürger beteiligen", sagt der 36-Jährige Jurist. Der Standort des jetzigen Feuerwehrgerätehauses sei eine Alternative, falls die Verhandlungen mit dem Eigentümer des Hauses an der Luisenstraße scheiterten, so Gaumitz. "Die Feuerwehr soll frühestens 2017 umziehen - so lange können wir nicht auf einen Supermarkt warten", meinte Nienhaus.

Für die Gestaltung des brachliegenden Areals am Bruchweg in Holzbüttgen hielt die 59-Jährige an ihrer Idee eines Generationenspielplatzes fest. "Ein idealer Standort für einen Begegnungspunkt von Jung und Alt", erklärte die promovierte Geologin. Gaumitz sieht dort Potenzial für barrierefreien Wohnraum. "Hier könnte behutsam nachverdichtet werden", sagte er.

Das geplante Jugendzentrum am St.-Eustachius-Platz in der Ortsmitte Vorst stößt auf Kritik. 400 Unterschriften wurden dagegen gesammelt. "Kinder und Jugendliche gehören in die Mitte. Hier soll Jugendarbeit geleistet werden, kein Partyzentrum entstehen", sagte Gaumitz. Nienhaus dagegen hält am von der CDU favorisierten Standort neben der Grundschule fest und forderte eine Bürgerversammlung.

Beim Thema Schulpolitik lag der Fokus auf Ausbau der Gesamt- und Fortbestand der Realschule. "Die Gesamtschule ist ein Erfolgsmodell. Ihr 5-zügiger Ausbau lässt die Realschule aber bangen. Wir müssen besser über die Möglichkeiten aufklären, die eine Realschule bietet", stellte Nienhaus fest. Für Gaumitz ist klar: "Die Eltern entscheiden, wo sie ihre Kinder anmelden."

Quelle: NGZ
 
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