| 00.00 Uhr

Kaarst
Erster Kontakt mit der Farbspray-Dose

Kaarst: Erster Kontakt mit der Farbspray-Dose
Die achtjährige Maya und ihre Schwester Lilly (11) packten sich gerne in Mundschutz und Plastikumhang ein und sprühten am Kunstcafé "Einblick" farbenfrohe Bilder auf großformatige Kartons. FOTO: A. Tinter
Kaarst. 60 an Graffiti-Kunst interessierte Kaarster jeden Alters probierten sich beim zweiten Spray-Day neben dem Kunstcafé Einblick beim Zeichnen mit der Sprühdose aus. Der Tag war Teil des Kreis-Projektes "Region inklusiv" des Rhein-Kreises. Von Rudolf Barnholt

Der zweite Spray-Day neben dem Kunstcafé "EinBlick" war ein voller Erfolg: Die Teilnehmerzahl war auf 60 begrenzt, neun Bewerber kamen am Samstag deshalb nicht mehr zum Zuge. Unter professioneller Anleitung hatten die meisten der Teilnehmer zum ersten Mal in ihrem Leben eine Farbspray-Dose in der Hand. Die Kunstwerke wirkten fast alle heiter, sie spiegelten den Traum von einer Welt ohne Gewalt und Konflikte wider.

Dass Landrat Hans-Jürgen Petrauschke mit dabei war, hatte nicht nur mit dem Wahlkampf zu tun. Seine Kreisverwaltung s hat die Aktion "Region inklusiv - Form und Farben im Rhein-Kreis Neuss" initiiert. In jeder kreisangehörigen Stadt gibt es dazu ein Event, in Kaarst ist es der Spray-Day. Es geht dabei unter anderem um ein friedliches Miteinander der Menschen mit und ohne Behinderung, egal, aus welchem Land sie auch kommen.

Um diesen Anspruch zu unterstreichen, begann der zweite Spray-Day mit zwei eindrucksvollen Statements: Zehn Kinder aus zehn Ländern stellten sich kurz vor. "Ich bin glücklich, hier zu sein", sagte beispielsweise die elfjährige Chirin aus Marokko, die seit fünf Jahren in Kaarst lebt. Anschließend wurden 99 Luftballons fliegen gelassen.

Im Mittelpunkt stand jedoch das Sprayen. Brigitte Albrecht vom Kunstcafé "EinBlick" hatte bei einem Graffiti-Shop in Berlin einige Kartons Sprühdosen für insgesamt 1500 Euro bestellt: "Für jeden Sprayer gibt es die vier Grundfarben, zwei Sprayer teilen sich eine Dose mit schwarzer Farbe", erklärte Albrecht. Und: "Das Land NRW hat die Kosten übernommen."

Die Plastikumhänge und der Mundschutz machten es schwer, die Sprayer auf den ersten Blick zu identifizieren. CDU-Bürgermeisterkandidatin Ulrike Nienhaus verbarg sich hinter diesem Einheitslook ebenso wie der Kandidat des "Fünferbündnisses", Christian Gaumitz.

Drei Profis gaben wertvolle Tipps, wollten aber nichts Persönliches preisgeben. Da war zum Beispiel Konstantin Jakson, der um sein Alter ein Geheimnis wie eine Diva machte, bei den Tipps für die Sprayer aber zum Glück konkreter wurde. "Ich habe gelernt, wie man eine dünne Linie sprüht", freute sich die stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Baum anschließend.

Zwei wahre Meisterwerke hatte die Kaarster Künstlerin Birgitt Verbeek geschaffen. Bei Fabrice Eiselt (11), der in Büttgen die Gesamtschule besucht, stand das Peace-Zeichen im Mittelpunkt. "Ich habe von den Profis Informationen bekommen, wie ich die Buschstaben stärker ausschmücken kann", sagte er. Aydin Altinli (46) schuf abstrakte Landschaften. Ebenfalls mit dabei: Bouchra El Maazi, die Initiatorin des Integrationsrates, der am 13. September zur Wahl steht.

Wer auf die dicke Profi-Pappe sprühen wollte, musste zehn Euro locker machen, einfache Papiere gab es kostenlos. Der Spray-Day hatte ganz nebenbei auch den Zweck, auf die Arbeit des Kunstcafés "EinBlick" aufmerksam zu machen: "Wir sind ständig auf der Suche nach Paten und Unterstützern um beispielsweise bei personellen Engpässen Ersatzkräfte finanzieren zu können", sagte Ulrike Brinkmann.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kaarst: Erster Kontakt mit der Farbspray-Dose


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.