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Kaarst
Experten für Prüfung alternativer Trassen

Kaarst: Experten für Prüfung alternativer Trassen
Der 380-kV-Höchstspannungsfreileitung, die Amprion im Kreisgebiet plant, stehen alle Kaarster Ratsfraktionen ablehnend gegenüber. FOTO: mak
Kaarst. Das von der Stadt beauftragte Kölner Fachinstitut kann Befürchtungen zu gesundheitlichen Schäden durch den Konverter nicht ausräumen. Von Rudolf Barnholt

Egal, ob Fünferbündnis oder CDU: Dem von der Firma Amprion geplanten Konverter und der 380-kV-Höchstspannungsfreileitung stehen alle im Rat vertretenen Parteien ablehnend gegenüber. Gleichwohl läuft das Planverfahren auf vollen Touren. Am Montag beginnt in der Neusser Stadthalle eine Antragskonferenz für die Durchführungsplanung der Leitungstrasse.

Die Stadt wird dort vertreten sein, ebenso die Bürgerinitiative. Sie haben sich im Vorfeld nicht nur abgestimmt: Die Stadt hat auch eine Stellungnahme beim Kölner "Fachinstitut für Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt" in Auftrag gegeben.

Die Materie ist komplex, zumal es keinerlei Erfahrungen, beispielsweise mit einem Konverter, wie er im Kaarster Norden von der Firma Amprion gebaut werden soll, gibt. Fest steht, dass der riesige kastenförmige Bau mitten in ein Naherholungsgebiet platziert würde. Es bestehen zudem handfeste Ängste, es könnte eine Gesundheitsschädigung davon ausgehen - dasselbe gilt auch für die Höchstspannungsfreileitung.

Diese Befürchtungen kann das Kölner Fachinstitut nicht ausräumen: "In den vom Antragsteller vorgelegten Unterlagen wird nur sehr unzureichend auf die Belange des Gesundheitsschutzes der Menschen eingegangen", ist in der Stellungnahme des Instituts zu lesen. Als Fehler bezeichnen es die Experten, dass durch die Einhaltung der Grenzwerte der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit auszuschließen sei. Von dieser "unzutreffenden Grundlage" ausgehend, würden Optimierungspotenziale nicht genutzt. Das sei angesichts des wissenschaftlichen Kenntnisstandes nicht vertretbar. Das Institut hält es für nötig, alternative Trassenführungen zu prüfen.

Das Institut sieht in einer Erdverkabelung im Bereich der Bebauung "eine weitere Möglichkeit zur Reduktion der Immissionen elektromagnetischer Felder". Die Technische Beigeordnete Sigrid Burkhart wird Anfang der Woche alle relevanten Fragen stellen. Die Fragen werden dann aufgenommen und später im Rahmen des Verfahrens beantwortet. Die Verwaltung fordert unter anderem eine Erdverkabelung, vorrangig in dem sensiblen Bereich zwischen Neusser Straße und der Anschlussstelle Holzbüttgen. Die fachliche Stellungnahme des Kölner Instituts wird Teil der Stellungnahme der Stadtverwaltung.

Guido Otterbein, neben Professorin Martina Deckert Sprecher der Initiative "Keinen Doppel-Konverter in Kaarst und Neuss", wird am Montag ebenfalls in der Neusser Stadthalle anzutreffen sein. "Fachleute zweifeln an, ob ein Konverter bei den Entfernungen, um die es geht, überhaupt erforderlich ist", so Otterbein. Er vermutet, dass Amprion in Deutschland Erfahrungen mit einer Technologie sammeln möchte, die das Unternehmen dann in Flächenländern wie den USA oder China vermarkten will. Gleichstrom lasse sich zwar verlustfreier "transportieren" als Wechselstrom, sei jedoch schlecht für Menschen mit Herzschrittmacher.

Quelle: NGZ
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