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Kaarst
Feuerwehr gibt Flüchtlingen Nachhilfe

Kaarst: Feuerwehr gibt Flüchtlingen Nachhilfe
Integrationslotsin Karima Chamsi mit Morad Carrilho von der Freiwilligen Feuerwehr Kaarst und dem Flüchtlingspaar Lava Hamo und Mamud Khadice (v. l.).
Kaarst. Brandschutz ist vielen Flüchtlingen in Kaarst kein Begriff, obwohl sie auch in ihren Herkunftsländern Feuerwehren haben. Von Oliver Burwig

Immer wieder kommen Morad Carrilho Geschichten zu Ohren, die den freiwilligen Feuerwehrmann beunruhigen: Flüchtlinge vergessen Kochtöpfe auf angeschalteten Platten oder verbrennen Papier auf Elektroherden. Es kursieren Gerüchte, dass Rauchmelder Kameras enthalten, den meisten Asylbewerbern ist die Funktion der Geräte völlig unbekannt. Einen Feuerlöscher haben viele noch nie von Nahem gesehen. Das muss sich ändern, findet die Freiwillige Feuerwehr Kaarst - und macht auch "Hausbesuche" in Flüchtlingwohnungen und -heimen.

"Es ist wichtig, ihnen die Angst vor den Uniformen zu nehmen", sagt Oberfeuerwehrmann Carrilho. "Es gibt viele Menschen, in deren Heimatländern die Feuerwehr wie eine militärische Organisation angesehen wird." Doch auch um das Wissen zur Brandbekämpfung ist es bei den Flüchtlingen oft nicht gut bestellt. Besonders Fettbrände seien für Menschen gefährlich, die versuchen, sie mit Wasser zu löschen - ein Fehler, den auch Deutsche immer wieder begehen. "Man muss den Brand ersticken, beispielsweise mit einem Topfdeckel, den man mit einem Geschirrtuch festhält", erklärt Carrilho.

Neben dem richtigen Verhalten bei Fettbränden erklärt Carrilho (l.) auch die Funktion von Feuerlöschern und Rauchmeldern. FOTO: Oliver Burwig

Bittere Erfahrungen mit Fettbränden hat die 21-jährige Shireen Hamo gemacht, die aus Syrien floh und mit Ehemann Eyas Moslim und ihren Kindern vor einigen Woche eine Wohnung bezogen hat. Ihre Schwester habe schwere Verbrennungen erlitten, als sie versuchte, einen Fettbrand zu löschen. Feuerlöscher in Wohngebäuden habe es zwar auch in ihrer Heimat gegeben, eine Einführung durch die Feuerwehr gebe es in Syrien aber nicht. "Lehrer unterrichten das, es kommt aber keine Feuerwehr in die Schule", sagt der 23-jährige Moslim.

Vor den Wohnungsbesuchen informierten Carrilho und seine Kollegen in den vergangenen Wochen auch die Bewohner aller großen Unterkünfte. Den Kontakt zu ihnen und den Flüchtlingen, die bereits Wohnungen haben, stellte die Stadt Kaarst her. So auch zu den Syrern Lava Hamo und Mamud Khadice, denen Carrilho erklärte, dass selbst ein steckengelassenes Handy-Ladekabel eine Gefahr für ihr Kleinkind sein kann: "Es könnte das Kabel in den Mund nehmen und einen Stromschlag bekommen." Kleine Brände, bei denen kein Fett in Flammen steht, erklärt Carrilho den Flüchtlingen, könne man selbst löschen. Bei größeren ist stets die Feuerwehr zu alarmieren - aber auch Nachbarn und gefährdete Personen. "Es kann nicht jeder nur an sich denken", sagt Carrilho.

Zainab und Ruhalla Mousawi flüchteten aus Afghanistan. Die Feuerwehr ist in der Erinnerung der beiden nicht präsent, Feuerlöscher haben sie nie benutzen müssen. Wozu der Rauchmelder über der Schlafzimmertür da ist, wussten sie bislang nicht. Carrilho warnte sie davor, die Wirkung des unter Umständen geruchs- und geschmacksneutralen Rauchs zu unterschätzen: "Drei Atemzüge können schon zu Bewusstlosigkeit führen."

Quelle: NGZ
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