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Kaarst
Fluchtgeschichten für Musikwochen gesucht

Kaarst: Fluchtgeschichten für Musikwochen gesucht
Bei den Kirchenmusikwochen im Herbst will Kantor Wolfgang Weber Menschen, die nach Kaarst geflohen sind, zu Wort kommen lassen. FOTO: L. Berns
Kaarst. Kirchenmusiker Wolfgang Weber plant, in einer Konzertreihe Lieder und Orchesterwerke mit Geschichten von Menschen zu verbinden, die seit 1945 nach Kaarst geflohen sind. Von Susanne Niemöhlmann

Einmal soll es nicht um Politik gehen, um Unterkünfte oder Integrationsprobleme. "Wir möchten die Menschen und ihre Schicksale in den Mittelpunkt stellen", sagt Kantor Wolfgang Weber, der für die Kirchenmusikwochen im Herbst das Thema "Flucht" gewählt hat. Und die Musik mit realen Biografien verknüpfen will. Darum sind er und Verena Kleist, Literaturwissenschaftlerin aus Büttgen, auf der Suche nach Fluchtgeschichten von Kaarstern. Sie wollen bis Ende Mai Erinnerungen und Berichte von Menschen zusammentragen, die seit 1945 nach Kaarst geflohen sind - ob als Heimatvertriebene, DDR-Flüchtlinge, Boat-People oder mit dem aktuellen Flüchtlingsstrom. Ihre Geschichten sollen bei einem Konzert am 11. November in der Auferstehungskirche vorgetragen werden - entweder von den Betroffenen selbst gelesen oder von Schauspielerin gesprochen. Zwischen den Texten spielt ein Kammerorchester Werke von Kurt Weill, Hanns Eisler sowie - ein durchaus gewollter Bruch - des Barock. "Die Auswahl der Musikstücke orientiert sich an den Geschichten, die uns zur Verfügung gestellt werden", erklärt Weber, der auf zahlreiche schriftliche oder mündliche Berichte unterschiedlichster Menschen hofft.

Sehr eindringlich dürfte auch das zweite Konzert werden: Mozarts Requiem wird am 20. November in der Lukaskirche zu hören sein - in Gedenken an Menschen, die auf der Flucht nach Europa umgekommen sind. "Zwischen den Sätzen werden zwei Sprecher jeweils bis zu zehn Namen verlesen", beschreibt Weber den Ablauf, "danach wird eine Stelle aus der Bibel, dem Talmud oder dem Koran zitiert." Wer die Kantorei Kaarst bei diesem Werk gesanglich unterstützen möchte, kann sich ab sofort donnerstags ab 19.30 Uhr zur Probe einfinden.

Nach einem Gottesdienst am 27. November, in dem Pfarrer Martin Pilz und Pfarrerin Annette Begemann das Thema aus biblischer Sicht beleuchten, ist dann am 2. Dezember wieder ein Konzert geplant. Dann stehen "Lieder von der Flucht" auf dem Programm, von Dichtern und Komponisten, die eigene Fluchterfahrungen in ihren Werken verarbeitet haben, wie Brecht, Weill, Dessau oder Tucholsky. Die Reihe soll in eine Art "Mitmach-Konzert" am 4. Dezember münden. Dann, so wünscht sich Weber, sollen Flüchtlinge und Deutsche zusammen Musik aus ihren jeweiligen Heimatländern machen. "Vielleicht hat jemand auf der Flucht eine Mundharmonika mitbringen können", sagt Weber. "Zusammen zu musizieren, ist ein schönes integratives Element", ergänzt Verena Kleist, "die Musik ist eine gemeinsame Sprache."

INFO Kontakt: Wolfgang Weber (Telefon 02131 / 5339999 oder per Mail an kantor-wolfgang-weber@arcor.de

Quelle: NGZ
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