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Kaarst
Flüchtlingsheime: Politik kritisiert Sport

Kaarst: Flüchtlingsheime: Politik kritisiert Sport
Die Sporthalle an der Bussardstraße wird derzeit noch zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Andere Kaarster Hallen stehen in Kürze wieder dem Sport zur Verfügung. FOTO: G. Salzburg
Kaarst. Stadtsportverband warnt vor der Belegung weiterer Turnhallen mit Flüchtlingen und bringt als Alternativen große Gewerbe- und Traglufthallen ins Gespräch. Dezernent Semmler bezeichnet die Zusammenarbeit der Vereine als gut. Von Rudolf Barnholt

Der Sportbund im Rhein-Kreis Neuss hatte Ende des Jahres eine gemeinsame Erklärung mit den Gemeinde- und Stadtsportverbänden formuliert und davor gewarnt, weitere Sporthallen vorübergehend in Flüchtlingsunterkünfte umzuwandeln. An der Sportausschuss-Sitzung nahmen jetzt Thomas Lang, Vorsitzender des Sportbundes, und der Vorsitzende des Kaarster Stadtsportverbandes, Axel Volker, teil. Es schien, als ob Verwaltung und Politik die Probleme, die aus der Belegung von Sporthallen mit Flüchtlingen resultieren, unterschätzen. Die zum Teil drastischen Formulierungen in der Erklärung stießen jedenfalls auf Kritik und Unverständnis.

"Der Unmut in der Bevölkerung wächst, und wir warnen ausdrücklich vor den unkalkulierbaren Folgen. Es gibt zwar zurzeit noch eine Grundstimmung, Flüchtlingen beizustehen, aber die Stimmung kippt zusehends und sehr massiv": Sätze wie diese und Formulierungen wie "der Integrationsmotor Sport säuft ab" verunsichern und verärgern Menschen, die auf politische Korrektheit aus sind. Die Kritik im Sportausschuss ließ nicht lange auf sich warten: "Zum Glück müssen wir die Erklärung hier nur zur Kenntnis nehmen. Einige Formulierungen gefallen mir nämlich überhaupt nicht. Ihre Behauptungen sind kontraproduktiv zu dem, was sie für den Sport wollen", erklärte ein verärgerter Wolfgang Reuter (SPD). Lang kritisierte die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen, was den Sportdezernenten Sebastian Semmler wunderte: "Die Zusammenarbeit ist aus meiner Sicht gut; dass immer etwas auf der Strecke bleibt, kann nicht ausbleiben." Axel Volker erklärte: "Es hat sicherlich geknirscht."

Die Belegungssituation nehme "vereinsschädigende Konturen" an, ist in der Erklärung unter der Überschrift "Sport und Flüchtlinge - zwischen Willkommenskultur und Verunsicherung" zu lesen. Axel Volker redete Klartext: "Wenn noch eine weitere Sporthalle mit Flüchtlingen belegt worden wäre, hätte es für die Vereine richtig Probleme gegeben." Er erwarte von der Politik, nach anderen Unterbringungsmöglichkeiten Ausschau zu halten: "Turnhallen zu nehmen, ist die einfachste Lösung." Daniel Fleck (UWG) fragte: "Hat jemand einen konstruktiven Vorschlag, wie man Flüchtlinge sonst auf die Schnelle unterbringen kann?" Die Sportfunktionäre brachten größere Gewerbehallen und Traglufthallen ins Gespräch. Thomas Lang reagierte gelassen auf die Kritik, die ihn überrascht hatte: "Dass sich die Politiker daran reiben, war gewollt." Kocay Ekici (SPD) begrüßte das Angebot von Franz-Josef Kallen. Der Vorsitzende des Trägerverein des Sportforum Kaarst-Büttgen hatte zu verstehen gegeben, dass die Radsporthalle bei Bedarf für Flüchtlinge zur Verfügung stehe (die NGZ berichtete). Er versprach den Nutzern der Sporthallen: "Wir versuchen zu vermeiden, dass weitere Hallen für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Aber ich kann Ihnen nichts zusagen - wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen." Mathias John (CDU) hob das große Engagement der Bevölkerung für die Flüchtlinge hervor und bescheinigte auch der Stadtverwaltung eine gute Arbeit.

Quelle: NGZ
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