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Kaarst
Frauen pilgern seit Jahrzehnten mit Kräutersträußen zur Marienkapelle

Kaarst. "Maria, mit dir unterwegs", singen die neun Frauen und ein Mann, die sich um sechs Uhr früh in der klaren Morgenluft zu Fuß zur Niederdonker Kapelle der "Schmerzhaften Gottesmutter" aufmachen. Pater William Kamar aus Kenia, zur Zeit zu Besuch bei Familie Nilges in Kaarst, trägt einen von Brigitte Weeger gebundenen Strauß aus zahlreichen Kräutern und Blumen. "Ich habe Senfkraut, Kamille, Distel, Huflattich und wildes Edelweiß aus dem heimischen Garten zusammengestellt", erzählt die Mitarbeiterin der Katholischen Frauengemeinschaft (KFD). Auch das der Gemeinschaft gehörende Vortragskreuz hat sie liebevoll mit Blumen und Efeu geschmückt. "Ich bin vor 40 Jahren zum ersten Mal mitgegangen", sagt sie, "und vor 30 Jahren ging meine Tochter mit, um für ihren Ausbildungsplatz zu beten, den sie später tatsächlich bekam."

Nachdem die Wallfahrt ein paar Jahre nicht stattfand, setzte sich das frühere KFD-Vorstandsmitglied Mathilde Effen für eine Wiederaufnahme ein. "Das war mir ein Herzensanliegen", erläutert sie. Der damalige Pastor Lurz unterstützte dies und so findet seit 1986 ununterbrochen jedes Jahr immer am 15. August, dem Festtag Mariä Himmelfahrt, eine Wallfahrt statt. "Die Resonanz war überwältigend", berichtet Mathilde Effen.

Die früher noch von Priestern begleitete Fußwallfahrt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. "Wir sind alle älter geworden", erläutert Barbara Maluche. Inzwischen fahren einige Pilger mit dem Rad, die meisten kommen mit dem Auto zur Kapelle. Unterwegs halten die Pilger immer wieder inne, um am Wegesrand Kamille und andere blühende Kräuter zu schneiden. Gesang und Gebet verleihen der Morgenstimmung in den Feldern eine besondere Färbung.

Nach knapp zwei Stunden treffen sie in Niederdonk auf neun Fahrradpilger. Der Präses der KFD, Pater Mathäus, segnet in der Messe alle Blumensträuße. "Die Tradition der Marienwallfahrt und der Kräutersegnung gibt es seit über 1000 Jahren", erklärt er in seiner Ansprache. Auf diese Weise solle die heilende Wirkung der Kräuter eine besondere Kraft entfalten. Nach der Messe stärken sich die insgesamt 40 Teilnehmer beim Frühstück im nahe gelegenen Café, wozu als Abschluss auch ein Schnäpschen gehört. Die Wallfahrt endet mit dem Beten des Kreuzweges unweit der Kapelle. Und wie hat Pater Kamar seine erste Wallfahrt gefallen? "Es war wunderschön", sagt er zufrieden.

(keld)
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