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Kaarst
Fünfjährige lernen die Krypta unter der Martinuskirche kennen

Kaarst. Die 16 Kindergartenkinder der Regenbogengruppe (alle fünf Jahre alt) des Benedictuskindergartens sind aufgeregt. "Wir wissen nicht, was passiert", sagen sie, als sie nach einer "Prozession" von ihrer Kita an der Karlsforster Straße an der Martinuskirche ankommen. Begleitet von Erzieherin Ria Faßbender und Kirchenvorstandsmitglied Edgar Nowack betreten die Kinder andächtig die Kirche und versammeln sich im Altarraum. Unter den Figuren in der Apsis erkennen sie die heilige Apollonia an der Zange, der Beigabe, die für ihr Martyrium steht: Der Heiligen wurden alle Zähne gezogen.

Nun wird es spannend, denn Nowack verspricht den Kindern, ihnen in der Krypta im Keller der Kirche einen Teil der Märtyrin zu zeigen. Nachdem alle vorsichtig die Treppe hinuntergegangen sind, nehmen sie auf Hockern Platz und genießen einen Moment der Stille. Als es danach hell wird, sind alle froh. "Ohne Licht ist das hier unheimlich", sagt Zoe, deren Kopf eine glitzernde Geburtstagskrone ziert. Anschließend überlegen alle, welche Merkmale eigentlich einen Keller ausmachen. "Da steht unsere Waschmaschine", "dort gibt es Eis aus der Truhe" oder "wir haben da alte Sachen" rufen die Kinder. Aber einige wissen auch, dass im Keller die "Kirche für kleine Leute" ist, denn fast alle waren schon beim Kleinkindergottesdienst, der jeden dritten Sonntag im Monat stattfindet.

Und warum riecht es in der Krypta ein bisschen muffig? Weil sie unter der Erde liegt und dadurch alles etwas feucht ist, erfahren die Kinder. Nowack erklärt nun, dass das Wort Krypta aus dem Griechischen kommt und "geheimer Ort" bedeute. Denn viele Christen versteckten sich zur Zeit der Verfolgungen in Kellern und trafen sich nur heimlich.

Zum Thema Geheimnis fallen den Kindern viele Beispiele ein, und sie erzählen von ihren Verstecken zu Hause. Beinahe auch versteckt ist ein kleiner goldener Sarkophag unter dem Altar, der Knochensplitter der beiden Heiligen Apollonia und Martinus enthält. "Sie nennt man Reliquien. Das sind Teile der toten Heiligen, die man verehrt und anbetet", erklärt Rita Faßbender. Nacheinander legen sich die Kinder auf den Bauch, um ganz nah heranrücken und alles genau erkennen zu können. "Das ist toll und spannend", sagen Frida und Zoe übereinstimmend. Zum Abschluss darf jedes Kind den Gong schlagen, der anstatt der sonst üblichen Schellen während der Wandlung ertönt.

(keld)
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