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Kaarst
Für St. Martin ist der Schimmel ein Muss

Kaarst. Zum sechsten Mal stieg Dachdeckermeister Klaus Gehlen in diesem Jahr als St. Martin aufs Ross und weiß: Wenn's kein weißes ist, beschweren sich die Kinder. Und deren leuchtende Augen sind für ihn der schönste Lohn. Von Elisabeth Keldenich

Zum 1700. Mal jährt sich sein Geburtstag in diesem Jahr, das Alter ist Sankt Martin aber nicht anzusehen. Seine Augen blicken freundlich und er genießt gemütlich eine Tasse Kaffee in Vorfreude auf den bevorstehenden Umzug. Der Kaarster Sankt Martin heißt im wahren Leben Klaus Gehlen und seit 2010 verkörpert er den prominenten Heiligen.

"Der langjährige Darsteller Reinhard Wimmers war schwer erkrankt und ich bin eingesprungen", erinnert sich der selbstständige Dachdeckermeister (51). Neu war das Ganze für ihn ohnehin nicht: Seit 2005 war Gehlen als einer der Knappen dabei. Damals fand zum ersten Mal ein Zug für alle Kaarster Grundschulen und die Förderschule statt. "Nach Wimmers Tod ist die Rolle einfach an mir hängengeblieben", sagt Gehlen schmunzelnd. Und er füllt sie sehr gerne aus. Schließlich hat er als dreifacher Vater und inzwischen stolzer Großvater des kleinen Ben reichlich Erfahrung mit Martinszügen.

Eine weitere wichtige Voraussetzung besitzt er ebenfalls: die Reiterfahrung. "Das Reiten erlernte ich schon in meiner Kindheit und ich hatte sogar ein eigenes Pferd", erzählt Gehlen. Später bevorzugte er das Motorradfahren, aber die Liebe zu Pferden blieb. Als der Vollblutschütze 2000 zum General der Kaarster Schützen gewählt wurde und seitdem das "Regiment" hoch zu Ross anführt, ist er alle 14 Tage im Reitstall anzutreffen. "So bleibe ich regelmäßig im Training", erklärt er. "Welches Pferd ich für den Umzug bekomme, weiß ich meistens nicht. Aber das ist wie beim Autofahren: als Führerscheinbesitzer muss man im Prinzip jedes Auto fahren können", zieht er einen Vergleich.

Wichtig: das Pferd muss immer ein Schimmel sein. "Sonst beschweren sich die Kinder", sagt er. Als Knappen unterstützen ihn Markus Weber und Christian Weyen, in die Rolle des Bettlers schlüpft Alexander van der Zee. "Er ist sehr schmal und schon deshalb perfekt dafür geeignet", lacht Klaus Gehlen. Das Martinsfest steht für ihn als überzeugten Christen in einer Reihe mit Ostern und Weihnachten. Bei aller Liebe zu Traditionen bleibt das Teilen die wichtigste Botschaft des Martinsbrauchtums.

"Es geht nicht allen so gut", sagt er. Die vielen leuchtenden Kinderaugen während des Zuges sind für Gehlen der schönste Lohn. Ein bisschen aufgeregt ist er vor Beginn des Zuges noch immer. "Aber das ist ein gutes Zeichen", findet er. Auch auf das Soldatenkostüm legt er wert, schließlich war Martin zum Zeitpunkt der Mantelteilung noch kein Bischof. Am Donnerstagabend strahlten dann alle Generationen gemeinsam mit den bunten Laternen um die Wette. Beinahe ehrfürchtig schauten Lukas (4), Samuel (4) und Sina (2) zu Sankt Martin hinauf und präsentieren stolz ihre selbst gebastelten Laternen. "Wir kommen jedes Jahr aus Willich zu den Großeltern nach Kaarst, um am Zug teilzunehmen", erzählt Mutter Susann.

Zahlreiche Senioren verfolgten den Zug am Straßenrand sitzend - Höhepunkt eines Nachmittags im Pfarrzentrum. "Das ist sehr schön", sagte Agnes Gerresheim, schwenkte ihre Laterne und sang kräftig mit. Höhepunkt war die Mantelteilung und das Abbrennen des Feuers im Stadtpark. Dann schwärmten die Kinder zu Gripschen aus.

Quelle: NGZ
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