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Kaarst
Großer Medizin-Technik-Park neben Ikea?

Kaarst. In einer Sondersitzung Anfang Juli diskutiert der Grundstücksausschuss über die Anfrage für ein medizinisches Forschungszentrum. Von Susanne Niemöhlmann

Kaarst als angesehener Forschungs- und Produktionsstandort für innovative Biotechnologie und Medizintechnik? Wenn es nach den Wünschen von Stadtverwaltung und Rhein-Kreis Neuss geht, könnte diese Vision in naher Zukunft Wirklichkeit werden. In der jüngsten "Frako", der regelmäßigen Sitzung der Fraktionsvorsitzenden im Kaarster Stadtrat, unterrichtete die Verwaltung über eine Grundstücks-Anfrage, die voraussichtlich am 7. Juli in einer Sondersitzung des Fachausschusses beraten wird. Im Fokus des Interesses: ein gut 15 Hektar großes Areal in Nachbarschaft zum neuen Ikea More Sustainable Store, der derzeit im Bau ist. Dort könnte nach Informationen unserer Redaktion ein Park entstehen, der Fachfirmen und Forschungsinstitute der Medizin- und Biotechnologie an einem Standort konzentriert. Kaarst könnte gleich in mehrfacher Hinsicht profiteren: durch möglicherweise mehrere tausend neue Arbeitsplätze für hochqualifizierte Beschäftigte, Gewerbesteuereinnahmen in beträchtlicher Höhe sowie einen erheblichen Image-Gewinn.

Ein solches prestigeträchtiges und wirtschaftliche interessantes Projekt im verhältnismäßig kleinen Kaarst anzusiedeln, macht durchaus Sinn: Die Stadt punktet nicht allein mit einer hervorragenden verkehrstechnischen Anbindung dank Autobahnen, Flughafen Düsseldorf und den öffentlichen Personennahverkehr, sondern nicht zuletzt mit einer hohen Klinik-Dichte. So wäre nicht nur die Verbindung zu den Kreiskrankenhäusern in Dormagen und Grevenbroich sowie das Lukas- und das Johanna-Etienne-Krankenhaus in Neuss gegeben, sondern auch an die Düsseldorfer Uni-Klinik und weitere Hospitale in der Landeshauptstadt. Beste Voraussetzungen also für Kooperationen etwa bei Patientenstudien.

Wer sich eine Vorstellung davon verschaffen möchte, wie ein solcher Medizintechnik- oder Biotechnologie-Park aussehen könnte, muss nur einen Blick über die Grenze ins Nachbarland Belgien tun. Im Jahr 2004 eröffnete in direkter Nachbarschaft zur Katholischen Universität der Arensberg Science Park, heute einer der erfolgreichsten Biotechparks in ganz Europa. Dort haben sich in mehreren sogenannten Clustergebäuden - Cluster meint die räumliche Zusammenballung von mehreren Betrieben einer Branche - Unternehmen des Medizin- und Biotech-Sektors angesiedelt. Das schafft Synergie-Effekte und erleichtert den wissenschaftlichen Austausch.

Die Resonanz auf die Idee, in Kaarst etwas Ähnliches zu realisieren, stößt auf ein weitgehend positives Echo: "Wenn es so verwirklicht wird, wie wir uns das im Idealfall vorstellen, wäre das eine Chance für den ganzen Rhein-Kreis", sagt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und verweist auf die Pharmaunternehmen Johnson & Johnson und Janssen-Cilag sowie die Medizintechnik-Firma Medtronic, die im Kreisgebiet ansässig sind. Ein Medizin-Technik-Park - "das klingt auf jeden Fall sehr interessant", äußert der CDU-Fraktionsvorsitzende Lars Christoph und spricht von einer "zukunftsträchtigen Branche". Ganz ähnlich sieht das Heinrich Thywissen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP: "Es wäre sensationell, wenn das klappen würde", findet er, "das ist genau die Zielgruppe, die wir uns vorstellen." In der Kaarster Politik herrsche Konsens darüber, dass man keine Firmen mit hohem Flächenbedarf ansiedeln wolle, die nur wenig Personal benötigten und kaum Ertragspotenzial versprächen.

"Nicht schlecht", urteilt Josef Karis, Fraktionsvorsitzender der FWG, der einen Medizin-Technik-Park allerdings "nicht auf dieser Fläche, sondern eher am Kaarster See" sieht. Das Gewerbegebiet Kaarster Kreuz solle eher mittelständischen Unternehmen Platz bieten - für sie müssten ansonsten andernorts Möglichkeiten geschaffen werden. "Spontan würde ich sagen: Das hört sich gut an, es würde gut hierher passen", sagt Claudia Köppe, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, angesichts einer Branche, die weder Lärm noch Emissionen produziert. Sie gibt zu bedenken: "Es fragt sich natürlich, ob ein potenzieller Interessent gewillt ist, sich an diesem Standort in puncto Nachhaltigkeit zu engagieren."

Quelle: NGZ
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