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Kaarst
Grüne kritisieren Seniorenbeauftragten

Kaarst: Grüne kritisieren Seniorenbeauftragten
Im Mai 2012 wurde Schmitz vom Stadtrat zum ehrenamtlichen Seniorenbeauftragten gewählt. FOTO: Anja Tinter
Kaarst. Die Grünen werfen Zentrumsmitglied Hans-Dieter Schmitz vor, dass er sich in seiner öffentlichen Position nicht klar vom Koalitionspartner AfD distanziert. Von Julia Hagenacker

In der Sprechstunde von Hans-Dieter Schmitz war neulich wieder viel los. Rathaus-Mitarbeiter mussten zusätzliche Stühle für die Wartenden heranschaffen. Der Rat und die unbürokratische Hilfe des Kaarster Seniorenbeauftragten in allen möglichen Fragen rund ums Alter und Älterwerden sind gefragt, ganz klar. Und das war von Beginn an so. Im Mai 2012 wurde Schmitz vom Stadtrat zum ehrenamtlichen Seniorenbeauftragten gewählt. Seit Juli 2012 bietet er ehrenamtlich jede Woche Gesprächstermine im Rathaus an. Das Angebot ist ein Erfolg.

Durchschnittlich sechs Bürger im Seniorenalter suchten in den vergangenen drei Jahren seine Sprechstunden auf. Der Seniorenbeauftragte macht auch Hausbesuche, obwohl das offiziell gar nicht zu seinen Aufgaben gehört. Vor allem aber handelt Schmitz politisch unabhängig. So legt es jedenfalls die entsprechende städtische Satzung fest. Als "Privatmann" ist er Mitglied der Zentrumspartei. Die wiederum bildet seit knapp zwei Wochen eine Fraktionsgemeinschaft mit der Alternative für Deutschland (AfD) - einer Partei, die zuletzt bundesweit vor allem durch rechtspopulistische Hetze und Verschwörungstheorien von sich reden machte. Für Hans-Dieter Schmitz wird das jetzt zum Problem.

Grünen-Fraktionschef Christian Gaumitz geht es um den äußeren Eindruck: "Ich erwarte von jemanden in dieser Position, dass er sich klar von der AfD distanziert", sagt er. "Das hat der Seniorenbeauftragte nicht getan. Vielmehr hat er sich bei der Pressekonferenz zum Zusammenschluss der beiden Parteien für ein Foto in die Mitte der Fraktion gestellt - deutlicher bekennen kann man sich nicht."

Hans-Dieter Schmitz kann die Aufregung zu einem gewissen Teil sogar verstehen. "Ich bin in den vergangenen Tagen selber oft gefragt worden: ,Wie kannst Du das machen?'", erzählt er. "Ich hab' dann immer gesagt: ,Ich bin doch bis jetzt nur im Zentrum, und das Zentrum steht in Kaarst für kommunalpolitische Themen wie die Sanierung des Nordkanals - und dazu stehe ich."

Dass der Zusammenschluss mit der AfD problematisch ist, sagt Schmitz, sei ihm durchaus bewusst. Seit die Koalition öffentlich sei, verzeichne das Zentrum einen erstaunlichen "Interessentenzustrom" - auch von Menschen, die er bislang anderen Parteien zugeordnet habe und die jetzt in der Flüchtlingskrise die Angst äußerten, vom "Fremden" unterwandert zu werden. "Ich bin selber in der Kaarster Flüchtlingshilfe aktiv, habe schon geholfen, Fahrräder und Wohnungen für Flüchtlinge zu besorgen", sagt Schmitz. "Zu mir selber habe ich gesagt: ,Du schaust dir das jetzt sechs Monate an. Sobald es in die falsche Richtung kippt, bist Du raus'." Und eines, sagt er Seniorenbeauftragte, sei in jedem Fall klar: "Auch, wenn ich das Amt niederlegen muss - mit der Seniorenarbeit mache ich weiter."

CDU-Chef Lars Christoph sieht darin ohnehin kein Problem. "Hans-Dieter Schmitz ist Mitglied des Zentrums und nicht der AfD", sagt er. Auch sei AfD-Ratsherr Christof Rausch bislang nicht durch rechte Tendenzen aufgefallen. "Mit der Arbeit des Seniorenbeauftragten hat die Koalition in jedem Fall nichts zu tun. Hans-Dieter Schmitz hat unsere volle Rückendeckung."

Quelle: NGZ
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