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Kaarst
Hospizarbeit funktioniert nur mit Ehrenamtlern

Kaarst. Heute Abend informiert das Marienheim Hospiz über die Arbeit. Im September startet ein neuer Qualifikationskursus. Von Elisabeth Keldenich

Wenn Tanja Gläser (51) von ihrer ehrenamtlichen Hospizarbeit erzählt, leuchten ihre Augen. "Seit drei Jahren bin ich jede Woche für drei Stunden im Einsatz. Ich frage nach den Wünschen der Gäste, führe Gespräche, reiche Essen an, lese vor, wir sehen einen Film an oder ich halte einfach nur eine Hand", erzählt sie. "Oft kann ich letzte Wünsche erfüllen. Ein Gast wollte unbedingt noch einmal Hähnchen mit Pommes essen, also holte ich das Gewünschte. Er hat es mit so viel Genuss verspeist", sagt die Versicherungsfachangestellte, die der Tod einer krebskranken Freundin auf die Idee der ehrenamtlichen Hospizarbeit brachte.

Durch einen Anruf im Marienheim erfuhr sie von der Möglichkeit, einen Befähigungskursus zu absolvieren. Ohne Ausbildung habe sie sich das nicht zugetraut. Jetzt aber kommt sie jede Woche mit großer Freude. "Das war die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe", so Jäger. "Ich erlebe viele wichtige Momente und habe schöne Dankesbriefe bekommen, die ich alle verwahre", erzählt sie.

Zwei Gäste hat sie bis jetzt beim Übergang in den Tod begleitet. "Ich fand dann Trost in der Kapelle und durch meinen Glauben", erinnert sich die Katholikin und verweist auf das richtige Maß zwischen Distanz und Nähe. Zudem hole man das Thema Tod aus der Tabuzone. Bekannte stufen ihre Tätigkeit regelmäßig von "toll" bis "unheimlich" ein.

Auch für Willi Rauschenberg (67) ist die Hospizarbeit seit drei Jahren eine erfüllende und sinnvolle Tätigkeit. "Vor 23 Jahren verstarb meine erste Frau und ich fühlte mich in der Zeit völlig alleingelassen", erinnert sich der ehemalige Geschäftsführer. Durch die Presse wurde er auf die Möglichkeit der ehrenamtlichen Hospizschulung aufmerksam. Jeden Montag verbringt er nun den Morgen im Hospiz. "Ich mache das Frühstück, reiche es den Gästen an wenn notwendig, spreche mit ihnen, mache Spaziergänge und kümmere ich mich auch um das Mittagessen", umreißt er seine wesentlichsten Aufgaben.

Entscheidend im Umgang mit den Menschen ist für ihn die nonverbale Kommunikation. "Die Dankbarkeit zeigt sich in vielen Gesten und Blicken. Das motiviert ungemein", sagt der konfessionslose Ehrenamtler. Einen Gast hat er beim Sterben begleitet. "Er hat mir noch gesagt, ich solle nicht traurig sein", erinnert er sich.

Jäger und Rauschenberg betonen den guten Umgang der Haupt- und Ehrenamtler im Marienheim. Außerdem seien alle untereinander vernetzt, es gebe regelmäßige Treffen und Supervision. "Keiner ist alleine, und beim Einsatz ist sowieso immer eine Pflegekraft als Ansprechpartner dabei", sagt Gläser und freut sich, dass durch den damaligen Kursus auch private Kontakte entstanden sind.

Hospiz- und Pflegedienstleiterin Petra Jung ist froh über den Einsatz der derzeit 30 Helfer. "Ohne sie könnten wir unsere Arbeit nicht machen", erklärt sie. Der nächste neunmonatige Qualifikationskursus beginnt im September, umfasst einen ,mentalen Werkzeugkoffer' wie Gesprächsführung, Umgang mit Krankheit und Schmerz, Gottes- und Menschenbild, Kommunikation oder auch rechtliche Grundlagen.

Info Heute, 18.30 Uhr, Marienheim Hospiz, Giemessstraße 4a

Quelle: NGZ
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