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Kaarst
Im Barber-Shop ganz ungeniert Mann sein

Kaarst. Franc Braun hat seine Geschäftsräume um einen Salon erweitert, in dem Herren verwöhnt werden.

Franc Braun (51) mangelt es nicht an Ideen. Sein jüngster Coup basiert jedoch auf einer Anregung eines seiner rund 40 Mitarbeiter: Frisörmeister Matthias Kabbe (31) schlug vor, einen total stilechten Barber-Shop einzurichten, und er leitet ihn auch. Dort werden kleine Männerträume wahr.

Man(n) muss nicht mit einem alten Morgan, TVR oder MG vorfahren, aber passen würde es. Im Barber-Shop von Franc Braun an der Maubisstraße scheint nämlich die Zeit zurückgedreht worden zu sein. Herausgekommen ist so etwas wie ein geschützter Raum, ein Rückzugsort für Männerträume, aus denen man nicht durch ein Frauenlachen herausgerissen werden möchte. Wer noch nicht dran ist, nimmt auf einem Chesterfield-Sofa Platz. Die Vollholz-Möbel wurden eigens angefertigt, als Vorbild diente Mobiliar, wie es früher in den britischen Barber-Shops üblich war. In den Vitrinen stehen Pflegeprodukte, die teils seit Jahrzehnten unverändert hergestellt werden, in Verpackungen, die an Kaufmannsläden aus den 1950er Jahren erinnern. Auf dem "Beards-Poster" sind 30 unterschiedliche Bärte abgebildet.

Während der Haar- und Bartpflege ist vieles möglich: "Die Kunden können ungeniert den ,Playboy' lesen, einen Whisky oder ein Glas Gin trinken", sagt Kabbe. Und keine Frau kriegt mit, wenn das Grau aus dem Haarschopf verbannt wird oder die Augenbrauen gepflegt werden. Und die Kompressen im Gesicht sind auf einmal die selbstverständlichste Sache der Welt.

Matthias Kabbe, seit neun Jahren im Salon von Franc Braun und seit Mai Geschäftsführer und Gesellschafter, ist mit der Resonanz sehr zufrieden. Was ihn überrascht hat: Den kleinen Luxus, sich einen etwas anderen Frisörbesuch zu gönnen, erlauben sich auch junge Männer. Gesprochen wird vornehmlich über Alltagsprobleme. Franc Braun hatte nichts dem Zufall überlassen: "Ich habe mir in London über 20 Barber-Shops angeschaut und festgestellt, dass sie besonders dann funktionieren, wenn sie in ein bestehendes System integriert sind." Auf seinen Mitarbeiter ist er schon ein bisschen stolz: "Matthias Kabbe ist eines von vier Jury-Mitgliedern für den ,German Barber Award'."

(barni)
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