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Jung, Politisch, Engagiert
In der Schule das Einmischen gelernt

Jung, Politisch, Engagiert: In der Schule das Einmischen gelernt
Kolja Fußbahn will im Winter ein Lehramtsstudium beginnen. FOTO: Anja Tinter
Neuss/Kaarst. Dem 20-jährigen Kolja Fußbahn (SPD) sind soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit besonders wichtig. Von Bärbel Broer

Aus seiner Schulzeit ist Kolja Fußbahn so manches in Erinnerung geblieben, aber dies ganz besonders: Sein Lehrer Dieter Paulus von der Elisabeth-Selbert-Realschule - mittlerweile vielen bereits als Gesamtschule Kaarst-Büttgen präsent - habe ihm und seinen Mitschülern immer wieder verdeutlicht, wie wichtig es sei, "sich einzubringen und mitzumischen", so der 20-Jährige. Diese Worte hat der gebürtige Kaarster, der erst vor wenigen Wochen sein Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium bestanden hat, immer versucht zu beherzigen. "Ich möchte selbst etwas bewegen und mitgestalten" nennt er als Grund für seine Entscheidung, 2013 in die SPD eingetreten und als kommunaler Nachwuchspolitiker in Kaarst aktiv zu sein.

"Soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit sind mir besonders wichtig", so Fußbahn, der bis zu Beginn der Sommerferien ein Lehramtspraktikum an der Gesamtschule Kaarst-Büttgen absolviert. Denn zum Wintersemester möchte er Lehramt studieren. "Ich habe selbst unser Bildungssystem erlebt und dieses ist nicht besonders flexibel, sondern sehr kompliziert."

Fußbahn schloss die Realschule mit dem qualifizierten Realschulabschluss ab und wechselte dann zum GBG in die zehnte Klasse. "Zwischen den beiden Schulen lagen Welten", so Fußbahn. Vor allem in Mathe habe er den Anschluss zunächst nicht geschafft. Entmutigen ließ er sich nicht. "Ich habe die zehnte Klasse wiederholt und mit Nachhilfe und Unterstützung durch Lehrer und Mitschüler ging es."

Seine Zukunft sieht er sowohl beruflich als auch politisch in der Schule: "Ich helfe Schülern gerne, und Schulpolitik ist mein Steckenpferd." Daher ist er im Kaarster Schul- und Kulturausschuss ordentliches Mitglied, zudem im Sozialausschuss als Stellvertreter tätig. "Speziell die Gesamtschule ist ein SPD-Thema, und ich stehe voll dahinter", sagt er.

Hitzige Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten scheut er nicht. Im Gegenteil: "Wenn die Stimmung hochkocht, sieht man erst, wie die einzelnen Personen emotional und persönlich reagieren. Da ist jeder er selbst und nicht jemand, der er vorgibt zu sein."

2015 hatte er das Ziel, mit dem Fünferbündnis in Kaarst Christian Gaumitz zum Bürgermeister küren zu können. Dafür war er sogar als Wahlkampfmanager für Gaumitz tätig. "Hat leider nicht geklappt", so Fußbahn, der dennoch an dem Fünferbündnis festhält. "Es schwankt zwar immer mal wieder. Aber gerade deshalb sollten wir es mehr stärken."

Von der noch recht neuen Fraktion AfD/Zentrum im Kaarster Rat hält Fußbahn nichts und findet deutliche Worte: "Für mich sind die wie der Wolf im Schafspelz. Sätze wie 'Der Islam gehört nicht zu Deutschland' sollten nicht im Parteibuch einer demokratischen Partei stehen."

Auch zur SPD-Bundespolitik hat Fußbahn klare Ansichten. Die große Koalition hält er für falsch und hatte beim SPD-Mitgliedervotum 2013 dagegen gestimmt: "Als Juniorpartner kann man nur verlieren. Das hat man doch schon an der FDP gesehen." Die SPD habe ein Profil- und Nachwuchsproblem, sagt Kolja Fußbahn. Auch Sigmar Gabriel hält er für "die falsche Person als Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat". Da gehörten starke Persönlichkeiten hin. Eine solche sei die Juso-Vorsitzende, findet Fußbahn. "Die SPD sollte dem politischen Nachwuchs mehr Chancen geben und Charaktere zulassen, die den Mund aufmachen."

Quelle: NGZ
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