| 12.22 Uhr

Kaarster gegen Fluglärm
Bürgerversammlung: Fluglärm beeinträchtigt den Alltag in Kaarst

Kaarst. "Überwältigt" – das war das meistzitierte Wort der Veranstalter zu Beginn der Bürgerversammlung, zu der der Verein "Kaarster gegen Fluglärm" gemeinsam mit der Stadt Kaarst am Mittwochabend in die Aula der Realschule Halestraße eingeladen hatte. Diese platzte förmlich aus allen Nähten. Von Bärbel Broer

Die 200 Stühle reichten nicht aus, viele Bürger standen oder hockten auf Fensterbänken, während auf dem Podium der Vorsitzende des Vereins, Werner Kindsmüller, gemeinsam mit Bürgermeisterin Dr. Ulrike Nienhaus als Mitveranstalterin Stellung bezog zu den Plänen des Flughafens Düsseldorf.

Diese liegen im Rathaus aus und sehen unter anderem eine Erweiterung der Flugbewegungen von 48 auf künftig 60 in der Stunde vor. Gegen dieses sogenannte Bedarfsgutachten sammelt der Verein, aber auch die Stadt, derzeit Einwendungen. 1.200 seien bereits unterschrieben, 5.000 das Ziel bis zum 6. Juli, so Kindsmüller.

In der übervollen Aula zerpflückte er das Bedarfsgutachten regelrecht. Obwohl die Zahl der Fluggäste von Düsseldorf stark zugenommen habe, läge die Zahl der Flugbewegungen seit Jahren konstant bei etwa 210.000, so Kindsmüller. "Im gleichen Zeitraum hat die Zahl der Flüge nach 22 Uhr aber um fast 50 Prozent zugenommen. Im Juni 2015 landeten im Schnitt jeden Tag etwa 37 Maschinen nach 22 Uhr."

Künftig wolle der Flughafen 60 Flüge pro Stunde – 314.000 Flüge im Jahr. Bis zum Jahr 2030 könnten sogar 75 Bewegungen pro Stunde erreicht werden, so stehe es ab Seite 123 im Bedarfsgutachten. "Tatsache ist aber, dass der Flughafen bereits heute 265.000 Slots vergeben könnte, jedoch bei 210.000 bleibt."

Woher komme also der Bedarf, fragte Kindsmüller rhetorisch und lieferte die Antwort: Wenn es Düsseldorf gelinge, den Billigairlines wie etwa Ryanair attraktive Angebote zu unterbreiten - unter anderem mit straffreien Landungen bis Mitternacht -, könnten Flughäfen wie Weeze, Münster, aber auch Eindhoven künftig nicht überleben. "Ein ruinöser Wettbewerb zu Lasten der Beschäftigten und unser aller Gesundheit." "Genug ist genug. Es reicht jetzt", so Kindsmüller.

Auch Nienhaus bestätigte: "Die wirtschaftliche Entwicklung Düsseldorfs geht zu Lasten der Umlandgemeinden. Kaarst sollte nicht lauter, sondern möglichst leiser werden."

Ihnen zur Seite standen die Kaarster Frauenärztin Dr. Gudrun Janssen sowie Martin Pilz, der ausdrücklich betonte, sich privat gegen mehr Fluglärm zu positionieren und nicht als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde. Als er gemeinsam mit seiner Familie vor zweieinhalb Jahren in die "unglaublich attraktive Stadt Kaarst" gezogen sei, habe er sich bereits gewundert, dass es nicht mehr Widerstand gegen die regelmäßigen Verstöße gegen das Nachtflugverbot gebe. "Als ich von den Plänen des Flughafens erfahren habe, war ich mehr als erschrocken."

Sowohl Pilz als auch Janssen hatten offenbar mit ihren sachlichen, aber auch emotionalen Beiträgen über Alltäglichkeiten im Kaarster Leben, die durch zu viel Fluglärm stark beeinträchtigt seien, vielen Bürgern aus dem Herzen gesprochen. "Ich lebe seit Jahrzehnten in Kaarst – ausgesprochen gerne", so Janssen. Doch mittlerweile fühle sie sich unter "Dauerbeschuss" und massiv eingeschränkt in ihrer Lebensqualität. Zudem habe Fluglärm erheblichen Einfluss auf die Gesundheit. Dazu zählte die Medizinerin auf: Schlaflosigkeit, Bluthochdruck, geringere Leistungsfähigkeit der Kinder, Herzinfarktgefahr.

Nienhaus prangerte zudem die "hunderten von möglichen Ausnahmen" an. Mal seien es die Sonderregelungen für Home-Base-Carrier – das sind Fluggesellschaften mit einer Wartungsbasis in Düsseldorf, die ohne Angabe von Gründen bis 24 Uhr und von fünf bis sechs Uhr landen dürfen –, mal das Wetter und dann wieder die Bedingungen am Abflugort, zählte sie auf. Nienhaus: "Ich erwarte, dass sich der Flughafen an Regeln hält."

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