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Kaarst
Kaarster plant eine Initiative gegen Rechts

Kaarst: Kaarster plant eine Initiative gegen Rechts
Ali Bostanci lebt seit 1980 in Deutschland. Damals suchte er selbst als Flüchtling vor dem Militärputsch in der Türkei ein neues Zuhause. FOTO: Anja Tinter
Kaarst. Um Fremdenfeindlichkeit vorzubeugen und eine Willkommenskultur zu schaffen, will Ali Bostanci Kaarster und Flüchtlinge zusammenbringen. Von Julia Hagenacker

Es ist eine These: Flüchtlingsarbeit ist nicht alleine Aufgabe von Politik, Verwaltung und gemeinnützigen Organisationen; Flüchtlingsarbeit ist eine Aufgabe für jeden einzelnen Bürger, weil am Ende jeder einzelne profitiert, wenn Integration funktioniert. Das dem so ist, davon ist Ali Bostanci fest überzeugt. In Kaarst bereitet der gebürtige Türke, der seit neun Jahren in der Stadt lebt und in Neuss als Lehrer am Berufskolleg für Technik und Informatik arbeitet, die Gründung einer überparteilichen Bürgerinitiative gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit vor. Die ersten zwei Vorbereitungstreffen haben bereits stattgefunden.

"Mir geht es keinesfalls darum, die Stimmung zu vergiften oder Böses heraufzubeschwören", sagt Bostanci. "Ich habe Kaarst immer als idyllisch wahrgenommen - in geografischer wie in menschlicher Hinsicht. Meines Wissens nach gibt es hier keine organisierte Fremdenfeindlichkeit - aber es gibt Strömungen und Tendenzen." Deshalb, sagt der Berufsschullehrer, sei es wichtig das jetzt, da die Flüchtlingswelle auch in Kaarst ans Ufer schwappe, etwas getan werde - für das gemeinsame Leben und die Willkommenskultur. "Kaarst muss lernen, hinzuschauen und Zeichen zu setzen, damit rechtsextreme Aktivitäten von vorne herein keine Chance haben", sagt Bostanci.

Konkret sieht die Situation in Kaarst so aus: 228 Flüchtlinge aus 32 verschiedenen Staaten leben derzeit in der Stadt. Darunter 30 Personen aus dem Kosovo, 26 aus Serbien, 19 aus Mazedonien, 22 aus Syrien und 15 aus dem Irak, 14 aus Albanien, zwölf aus Bosnien, elf aus Afghanistan, neun aus Guinea, je fünf aus Eritrea, Kirgistan und Russland, je vier aus Armenien, Nigeria und je drei aus Georgien, Pakistan, Ägypten, Bangladesch, Algerien und dem Iran. Der Rest kommt aus Ghana, Indien, Kongo, Libanon, Mali, Marokko, Mongolei, Somalia, Sri Lanka, Tadschikistan, Türkei und Weißrussland. Untergebracht sind die Flüchtlinge in neun städtischen Wohnanlagen und in privaten Wohnungen. Weitere Wohnheimen in Modulbauweise werden demnächst an der Vom-Stein-Straße in Büttgen und am Friedhof in Vorst entstehen.

"Die Bürgerinitiative", sagt Ali Bostanci, "soll keine Konkurrenz zu bereits bestehen Flüchtlingshilfeangeboten sein. Sie soll junge wie alte Menschen einbinden. Sie soll ein Wir-Gefühl schaffen, zum Beispiel durch gemeinsame Aktivitäten, und Bürgern die Möglichkeit geben, ihr Leben in Kaarst aktiv mitzugestalten." Deshalb hat Bostanci in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt: mit Seniorenvertretungen, Pastoren, Schulleitern, Lehrern, Sportvereinen. "Die Resonanz", sagt er, "ist durchweg positiv. Ein fünfköpfiges Team kümmert sich derzeit um die Gründung der Initiative. "Wir arbeiten daran, unsere Ziele zum Gründungstag hin genau zu definieren", sagt der Initiator. "Ich bin sicher, dass das Projekt in Kaarst gelingt."

Quelle: NGZ
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