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Kaarst
Kaarster schreibt sein 17. Geschichts-Buch

Kaarst: Kaarster schreibt sein 17. Geschichts-Buch
In seinem Buch erzählt Wingolf Scherer auch von Begegnungen früherer Feinde, ersten Annäherungen nach Jahrzehnten und Versöhnung. FOTO: A. Tinter
Kaarst. Wingolf Scherer berichtet in seinem Werk "Die letzte Schlacht" von der Ardennenoffensive 1944/45. Von Rudolf Barnholt

Wingolf Scherer wird im Mai 92 Jahre alt. Als junger Mann war er Soldat. "Ich wollte im Nachhinein verstehen, woran ich damals beteiligt war", erklärt der rüstige Kaarster sein Interesse am Zweiten Weltkrieg. Jetzt ist sein 17. Buch erschienen. Unter dem Titel "Die letzte Schlacht" erzählt der Autor von Zusammentreffen einstiger Gegner an Stellen, wo 1945 viele Zehntausend Menschen starben. Er lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, die sich an die Eifelfront und die Ardennenoffensive erinnern können.

"Die letzte Schlacht zwischen Monschau und Echternach scheiterte vor Weihnachten 1944, weil der Gegner zu stark war", erinnert sich Scherer und fügt hinzu: "Wir hatten bis zu 80 Prozent Verluste, in den ersten Tagen des Angriffs fielen drei Viertel der Offiziere durch Tod, Verwundung oder Gefangenschaft aus." Die feindlichen Soldaten standen sich scheinbar unversöhnlich gegenüber, keiner schonte seinen Gegner. Damals war unvorstellbar, was heute immer wieder gelingt: dass sich ehemalige Gegner treffen, keine Probleme mit der Versöhnung haben.

"Das Stadium der Annäherung hat im Jahre 2000 begonnen, als wir uns zum ersten Mal in Belgien mit unseren früheren Feinden getroffen haben", erklärt Wingolf Scherer. Gekommen waren deutsche und amerikanische Veteranen sowie Vertreter der Bundeswehr. In Rocherath-Hasselpath wurde eine Erinnerungsstätte eingerichtet - die auch mahnt, den Frieden zu bewahren vor dem Hintergrund des Schrecklichen, das damals passiert ist. Wingolf Scherer erzählt in seinem neuesten Buch von Geschichten mit Happy End: Da war zum Beispiel eine Wehrmachts-Erkennungsmarke gefunden worden.

Sie konnte dem Gefreiten Kindler aus Wien zugeordnet werden: "Das war nichts Besonderes, weil 70 Prozent unserer Division aus Österreichern bestand", sagt Scherer. Die Tochter des gefallenen Soldaten Friedrich Kindler sei in Wien gefunden worden - sie war dabei, als ihr Vater Jahrzehnte nach seinem Tod auf einem Soldatenfriedhof bei Oberreiferscheid endlich seine letzte Ruhestätte fand. Das Buch, das übrigens mit zahlreichen Fotos versehen ist, beschreibt, wie sich Gegner annäherten.

Die geschah beispielsweise bei der Einweihung eines Gedenksteins dort, wo einst die Kämpfe ihren Anfang nahmen, wo die 277. Division der Deutschen Wehrmacht und die 99. US-Division sich gegenseitig große Verluste zufügten. "Das ist meines Erachtens der einzige gemeinsame Gedenkstein in ganz Deutschland", gibt Wingolf Scherer zu bedenken. Er hat das Buch jetzt in Hellenthal in der Eifel offiziell vorgestellt. Was für ihn beim Recherchieren das größte Problem ist: "Man muss die Einwirkung des Zeitgeistes auf die Erinnerungen erkennen und richtig einschätzen, um die Wirklichkeit von damals nicht deformiert darzustellen."

INFO "Die letzte Schlacht" ist im Helios-Verlag erschienen, ISBN 978-3-933608-95-6.

Quelle: NGZ
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