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Kaarst
Kaarster sorgt sich um historische Zeugnisse

Kaarst: Kaarster sorgt sich um historische Zeugnisse
Heinz-Walter Gerresheim sieht dringenden Handlungsbedarf beim 300 Jahre alten Hagelkreuz. FOTO: L. Berns
Kaarst. Künstler und Heimatforscher Heinz-Walter Gerresheim vermisst eine Lobby für den Denkmalschutz. Die Stadt weist Vorwürfe zurück. Von Susanne Niemöhlmann

Dass er an der Jan-van-Werth-Straße wohnt, mag Zufall sein, aber es passt irgendwie: Heinz-Walter Gerresheim, Künstler und langjähriger ehrenamtlicher Denkmalpfleger aus Leidenschaft, interessiert sich von klein auf für Geschichte. Vor allem für die seiner unmittelbaren Heimat. Darum macht er sich Sorgen: um den Erhalt von Bau- und Bodendenkmälern, um das Schicksal der noch verbliebenen Zeugnisse der langen Kaarster Ortsgeschichte.

Immer wieder sei in der Vergangenheit aus seiner Sicht wertvolle historische Bausubstanz achtlos abgerissen worden, um Platz für hochgeschossige "Bausünden" zu schaffen. "Ich weiß gar nicht, um was ich mich zuerst kümmern soll", sagt der 76-jährige Künstler, der sich manchmal wie der sprichwörtliche Rufer in der Wüste fühlt und zahlreiche heute nicht mehr existierende alte Gebäude gezeichnet hat, um ihr Andenken zu bewahren.

Aktuell liegen dem Streiter für die Erinnerung zwei Objekte besonders am Herzen: ein nach seiner Kenntnis leerstehender Hof mit Biedermeier-Giebel im Alten Dorf und das Hagelkreuz auf halber Strecke zwischen den Büttger Weilerhöfen und Kleinenbroich. Letzteres sei stark gefährdet, meint Gerresheim. "Das Kreuz wurde 1706 vom Schwiegersohn Jan van Werths, Franz Winand Freiherr Raitz-Frentz von Schlenderhan, errichtet", berichtet er, "als die komplette Anlage in den 1960er Jahren versetzt wurde, geschah das unsachgemäß." So sei damals an einigen Stellen vergessen worden, die eisernen Verbindungsanker zwischen den Steinen mit Blei einzugießen. "Diese Eisenanker beginnen nun zu rosten. Wenn in die Zwischenräume Wasser eindringt und dann gefriert, sprengt das den Stein kaputt", erklärt Gerresheim, der eine Restaurierung des Trachyt- beziehungsweise Basaltsteins für dringend erforderlich hält. Auf der Suche nach Mitstreitern hat er mit der St.-Sebastianus-Bruderschaft Büttgen und dem Heimatverein Kleinenbroich Kontakt aufgenommen und ist im Gespräch mit der Stadtverwaltung. Unterstützt in seinem Anliegen fühlt er sich jedoch zu wenig. Auch seien in den vergangenen Jahren immer wieder historische Gebäude und Fachwerkhöfe "sang- und klanglos" aus dem Stadtbild verschwunden. "Denkmalpflege wird in Kaarst eher nebenbei betrieben und etwas stiefmütterlich behandelt", kritisiert Gerresheim.

Dieser Einschätzung widerspricht der Erste Beigeordnete Sebastian Semmler. "Wir legen großen Wert auf den Denkmalschutz", versichert er. Die Stadt sei bestrebt, erhaltenswerte Gebäudesubstanz zu schützen. "Aber das ist immer auch ein Abwägungsprozess. Denn wer definiert ,erhaltenswert'?" Was einmal unter Schutz gestellt sei, genieße die "sehr strengen Anforderungen des Denkmalschutzes in Nordrhein-Westfalen", sagt Semmler, "andernfalls gilt das nicht." Und nebenbei sei längst nicht jeder Eigentümer glücklich darüber, wenn sein Besitz unter das Denkmalschutzgesetz falle, ergänzt der Dezernent.

Als Untere Denkmalbehörde führe die Stadt eine Liste von Bauwerken, deren Schutzwürdigkeit untersucht werde. "Und natürlich sind wir auch selbst im Stadtgebiet unterwegs, um uns zu vergewissern, dass nicht etwa ein denkmalgeschütztes Objekt abgerissen wird", ergänzt Semmler und fügt dann noch hinzu: "Wenn ein Bürger in Sorge um ein schutzwürdiges Gebäude ist, kann er uns das gern mitteilen. Selbstverständlich überprüfen wir das dann."

Quelle: NGZ
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