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Kaarst
Kaninchen-Virus grassiert in Kaarst

Kaarst. Die für Kaninchen tödliche Viruserkrankung Myxomatose verbreitet sich im Kaarster Stadtgebiet.Infizierte Tiere können auch Hauskaninchen anstecken. Von Julia Hagenacker und Martin Röse

Die Häschen scheinen derzeit überall zu sein. Oft sitzen sie lethargisch am Wegesrand. Im Internet, sowohl über das soziale Netzwerk Facebook als auch über den Mängelmelder der Stadt, beschweren sich Kaarster seit Wochen über eine akute Kaninchenplage im Stadtpark. Diese, heißt es, nehme langsam überhand. Ab und an lägen sogar tote Kaninchen auf den Terrassen der angrenzenden Häuser. Die Anwohner befürchten Ansteckungsgefahr.

Kaninchenkot in den Gärten, auf dem Rasen und in Sandkästen, sagen sie, mache es unmöglich, Kinder dort unbeschwert spielen zu lassen. Und: Im Park sehe es nicht viel besser aus. Durch die vielen Kaninchenlöcher, befürchten Eltern, könnten sich Kinder beim Spielen verletzen. Die Stadt fordern sie auf, etwas zu unternehmen, doch die sieht keinen Handlungsbedarf. "Laut unseres Ordnungsbereichs ist eine Bejagung dieser Wildtiere nicht vorgesehen", sagt Stadtsprecherin Sigrid Hecker. Vielmehr werde die kritisierte Überpopulation durch die Natur selbst - in Form der für Menschen und andere Tiere ungefährlichen Myxomatose - reduziert.

"Myxomatose ist eine für Kaninchen tödliche Viruserkrankung, die in den 1960er und 70er Jahren in Australien gezielt zur Bekämpfung von Kaninchenplagen in Umlauf gebracht wurde und dann nach Europa übergeschwappt ist", erklärt Jäger Matthias Johnen vom Hegering Kaarst. "Mit: ,Die Natur regelt das selber', hat das im Grunde nichts zu tun. Das Virus tritt im Verlauf der Jahre wellenartig auf, seine Verbreitung wird derzeit durch das feucht-warme Wetter begünstigt."

Auch die Wildkaninchen im Meerbuscher Stadtgebiet sind erheblich von der tödlichen Erkrankung betroffen. "Die Krankheit hat den gesunden Bestand im gesamten Stadtgebiet bereits erheblich reduziert", berichtet Jörg von Deylen vom Meerbuscher Hegering. "Myxomatose tritt fast ausschließlich bei Wild- und Hauskaninchen auf. In den meisten Fällen führt sie bereits nach wenigen Tagen zum Tod des Tieres." Auf Menschen wird das Virus nicht übertragen.

Allerdings können sie es weitertragen. Das wird insbesondere durch den Krankheitsverlauf begünstigt: Die betroffenen Tiere verlieren ihren natürlichen Fluchtreflex. "In der Folge sieht man vermehrt Kaninchen an Wegen oder öffentlichen Plätzen sitzen", berichtet von Deylen. Wer die Kaninchen nun berührt, gefährde zwar nicht seine eigene Gesundheit, da das Virus nicht auf den Menschen übertragbar ist, agiere jedoch als Transportmedium für den Erreger zum Beispiel zum eigenen Hauskaninchen. Die Jäger raten aus diesem Grund dringend davon ab, erkrankte Tiere gar mit nach Hause zu nehmen. Hierdurch verbreite sich das Virus nur noch schneller.

Die Jäger des Hegering Meerbusch werden in den kommenden Tagen die erkrankten Kaninchen abschießen. "Mit bestandener Prüfung haben wir Jäger die Pflicht übernommen, für einen nachhaltigen, gesunden sowie artenreichen Wildbestand Sorge zu tragen", erklärt der Sprecher des Hegerings. Die Myxomatose entwickelt sich seuchenartig und extrem rasant. Sie kann - wenn nicht rechtzeitig in die dichten Bestände eingegriffen wird - zum Tod einer gesamten Population führen. "Es gibt aber auch Fälle, in denen der Krankheitsverlauf nicht so extrem ist", sagt Matthias Johnen. "In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, nicht einzugreifen, damit sich eine Immunität gegen das Virus bilden kann. Die Kaarster Stadtmitte ist ohnehin kein Jagdgebiet."

Quelle: NGZ
 
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