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Kaarst
Kirche diskutiert übers Zusammenwachsen

Kaarst. Propst André Müller aus Gladbeck, Leiter einer Großpfarrei mit sieben Kirchen, war Gast der zweiten Gesprächswerkstatt der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Kaarst-Büttgen zum Thema "So nah und doch so fern?" Von Elisabeth Keldenich

Die Kernaussage von Propst André Müller aus Gladbeck war folgende: "Sprengen Sie den Rahmen weg, legen Sie das Evangelium in die Mitte und überlegen Sie: Wie wollen wir Kirche sein?" Er war Gast der zweiten Gesprächswerkstatt der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Kaarst-Büttgen zum Thema "So nah und doch so fern?". Im nicht ganz gefüllten Saal im Pfarrzentrum Holzbüttgen berichtete Müller von seinen Erfahrungen als Leiter einer Großpfarrei mit sieben Kirchen und 30.000 Gläubigen.

Müller (47) animierte das quadratische Logo der Gesprächsreihe zur These vom "Aufbrechen des Rahmens": Es gehe zuerst um den Glauben und um Caritas als Hinwendung zum Nächsten. Ordnung, Satzung und Strukturen seien nicht so wichtig, so Müller. Das finanziell und personell eng aufgestellte Bistum Essen zwang ihn, neue Wege zu gehen. Mit 1500 Menschen erarbeitete er ein Leitbild und dachte sich "die Kirche von morgen aus", so Müller. Nicht in "Ziegeln", sprich Kirchengebäuden, sondern in Menschen müsse investiert werden, sagte er. Hauptamtlich Tätige schulen beispielsweise getaufte und gefirmte Laien, bis diese eigenverantwortlich Aufgaben wie Sakramentenvorbereitung übernehmen können. Neue Gottesdienstformen werden kreiert und die Kirche gelangt zu einer bunten Vielfalt: In Gladbeck engagieren sich bereits 70 Menschen muslimischen Glaubens ehrenamtlich bei der katholischen Gemeinde.

"Ich habe kein Rezept für Kaarst", bekannte Müller. Aber ganz viele Vorschläge: Das Christsein messe sich nicht am Kirchgang, deshalb müsse man weg vom "Zählen zum Erzählen", so Müller. Die frühere Volkskirche als fester Grund ist verschwunden, jetzt "müssen wir schwimmen lernen und uns damit abfinden, dass die Kirche nicht mehr der erste Ansprechpartner im Leben der Menschen ist", erläuterte er. "Wir bieten uns als Christen an", sagte der Geistliche und verlangte eine Absage an selbstherrliche Aussagen wie "Wir sind wer". Das Modell der Pfarrfamilien der 1970er Jahre habe ausgedient, das Territorialsystem mit vielen kleinen Pfarreien ist vorbei.

Kirche müsse sich in allen Stadtteilen selbst abbilden, vor allem durch ihre "Nützlichkeit der Caritasarbeit", sagte Müller. Die Unterschiede zwischen evangelischen und katholischen Christen werden zu nehmend unwichtiger. "Gehen Sie weg von traditionellen Gemeindebildern, entfernen Sie Altlasten, bilden Sie Netzwerke und beziehen Sie die Politik mit ein", riet er den Zuhörern. Wichtig sei außerdem die Ausbildung von Ehrenamtskoordinatoren. "Priester können sich nicht mehr um alles kümmern", war sein Fazit. Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass die Teilnehmer viele Ideen mitnehmen konnten, dass es aber auch verkrustete Strukturen aufzubrechen gilt. "Machen Sie sich auf den Weg. Ich werde für Sie beten", war Müllers tröstliches Schlusswort.

Quelle: NGZ
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